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Full text of "Das nordische Museum in Stockholm: Führer durch die Sammlungen des Museums."

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APR 7 1906 



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DAS 



NORDISCHE MUSEUM 



IN 



STOCKHOLM. -^ 



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STIMMEN AUS DER FREMDE. 



ALS BEILAQE: 

FÜHRER 

DURCH DIE SAMMLUNGEN DES MUSEUMS. 




STOCKHOLM 1888. 

KUNGL. BOKTRVCKBRIST. F. A. NORSTBDT & SÖNBII, 



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Jan. 1.5, • '^ 



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0ishtvitit\i, 



Von der Ostsee bis zum Nordcap. Eine Wanderung durch 
Dänemark, Schweden und Norwegen von F. Krauss. Neutitschein 
1887. S. 881—906. Vgl. S. 358—364. 



Die meisten Illustrationen sind diesem Separatabdruck hinzu- 
gefügt. 



Ein Museum ohne Gleichen. 




iie Kopenhagen in seinem Thorwaldsen-Museum eine 
in ihrer Art einzige Sammlung besitzt, so ganz ohne 
Beispiel steht das Nordische Museum in Stockholm da. Das 
Museum wurde erst 1873 von Dr. Arthur Hazelius gegründet 
und ist leider heute noch in mehreren, oft weit getrennten 
Gebäuden derart zerstreut untergebracht, dass man fünf 
Karten lösen muss, um alle Abtheilungen besichtigen zu 
können. Es umfasst in erster Linie bäuerliche Hausgeräthe, 
Trachtenstücke etc. aller Landstriche Schwedens und Nor- 
wegens bis zu den Lappen hinauf, leistet aber dadurch, dass 
es die so ermüdende und alles Interesse ertödtende, systema- 
tische Eintheilung vollkommen verwirft und in lebenswahren, 
charakteristischen Gruppen uns mit einem Blicke in das Fami- 
lienleben und die Wohnstätten, in die Sitten und Gebräuche der 
einzelnen Kirchspiele einführt, an instructiver Wirkung ganz 
Ausserordentliches. Da wir uns mit diesem Museum, ohne 
Gleichen eingehend beschäftigen werden, so müssen wir vor 
Allem die Ideen beleuchten, welche Dr. Hazelius zur Grün- 
dung des Nordischen Museums führten. 



FERDINAND KRAUSS. 



Dr. Arthur Hazelius, geboren am 30. November 1833, 
ist der Sohn des berühmten Generals, Publicisten und Pa- 
trioten Johan August Hazelius (1797 — 1871). 

Er studirte 1854 an der Universität zu Uppsala, wo Arthur 
Hazelius nach dem üblichen Examen 1860 zum Doctor der Phi- 
losophie promovirt wurde. In den Jahren 1860 — 1868 widmete 
er sich dem öfifentlichen Unterricht in der schwedischen 
Sprache und Literatur. Während dieser Professur arbeitete 
Hazelius, ein ebenso eifriger Patriot wie sein Vater, an der 
Reorganisation der Orthographie der schwedischen Sprache. 
Dr. Hazelius, welcher seine Ansichten in dieser Richtung in 
verschiedenen wissenschaftlichen Werken klar legte und ver- 
theidigte, gerieth bald in eine lebhafte Polemik mit den her- 
vorragendsten Linguisten Schwedens, während die Autoren 
der jüngeren Generation allmählich mehr und mehr sich den 
von Dr. Hazelius aufgestellten neuen Principien über die 
schwedische Rechtschreibung anschlössen. 

Im Jahre 1868 resignirte Hazelius auf seine Professur, 
um sich ausschliesslich der sprachwissenschaftlichen Literatur 
zu widmen. Im Jahre 1872 fasste Hazelius die Idee zur Grün- 
dung des Nordischen Museums und wir werden sehen, in 
welcher Weise dieser hochherzige Patriot diese seine neue 
Aufgabe löste. 

Im Jahre 1872 durchwanderte Dr. Arthur Hazelius die 
einsamen Thäler Dalekarliens, dessen Bevölkerung vielleicht 
unter allen Landschaften Schwedens ihre alten Sitten und 
Gebräuche, Trachten und Hausindustrien am treuesten be- 
wahrt hatte. Jahrhunderte lang war dieses Volk, in einsamen 
Walddörfern zerstreut, auf einer relativ hohen, aber stag- 
nirenden Culturstufe stehend, von allem Verkehr abge- 
schlossen gewesen.' Die durch viele Jahrhunderte ausgebil- 
deten, eigenthümlichen Sitten, die Bauart und sozusagen 



FERDINAND KRAUSS. 



:&wandfeste» Einrichtung der Stuben, die nahezu in jedem 
Kirchspiele verschiedenen Trachten hatten sich hier in 
vollster Reinheit erhalten. Und die abgeschlossene Lage 
zwang die Bewohner sich alle ihre Hausbedürfnisse, Stoffe 
und Geräthe selbst zu erzeugen, und es stabilisirten sich 
hier mehr wie anderswo uralte Hausindustriezweige, die bei 
ihren streng traditionellen Typen und Vorbildern wieder 
wesentlich dazu beitrugen, die überlieferten Trachten und 
Wohnungsausstattungen in vollster Originalität zu erhalten. 
Man webte auf uralten Webstühlen buntfarbige Stoffe nach 
noch weit älteren, bis auf orientalische Urmuster zurück- 
reichenden Dessins, man schnitzte und bemalte Hausgeräthc, 
die ihre Grundformen wieder aus der phantastischen Orna- 
mentik des romanischen Stils des ii. Jahrhundertes ableiteten, 
man baute jahrhundertelang die Häuser nach den von Gene- 
ration auf Generation überlieferten Constructionen, und so 
bildeten die alten Ueberlieferungen die einzelnen Ringe einer 
geschlossenen Kette, von deren festem Gefüge die Erhaltung der 
langvererbten Sitten und Gebräuche, die Bewahrung nationaler 
Eigenart abhing. 

Mit der zweiten Hälfte unseres eisernen Jahrhundertes 
der Dampfkrafl begann jedoch allerwärts die moderne Cultur 
ihren nivellirenden Einfluss geltend zu machen. Eherne 
Schienenstränge durchzogen bald die abgeschiedensten Hoch- 
thäler und führten neue, fremde Elemente in das alte, ab- 
geschlossene Leben der Dorfgemeinden ein, während anderer- 
seits der Waldbauer mit den Städtern und ihrer höheren 
Cultur in innigen Verkehr trat. Die Fabriksindustrie warf 
ihre billige Waare hinaus in das Land bis zu den letzten 
Höfen der Hochthäler und verdrängte bald die alten Haus- 
industrien, und so lösten sich in wenigen Jahren die Glieder 
jener Kette nationaMocaler Eigenthümlichkeiten, die in ihrer 



FERDINAND KRAU SS. 



Gesammtheit, zusammengehalten durch den ehernen Zwang 
langvererbter, patriarchalischer Ueberlieferung, dasVolksthUm- 
liehe viele Jahrhunderte unverfälscht bewahrt hatten, die 



I. Läufer der Universilät in Uppsnla. 

jedoch einmal durchbrochen und gesprengt, vor den Ström- 
ungen neuer Zeiten machtlos zerfallen mussten. 

Und wie der hundertjährige, stolze Hochwald heute in 
wenigen Monaten der modernen Speculation und der Dampf- 



FERDINAND KRAUSS. 



säge zum Opfer fällt, so verschwanden jetzt mit furchtbarer 
Schnelligkeit alle alten Sitten, Gebräuche und Hausindustrien, 
die bisher durch einp lange Reihe von Generationen sich 



1. Fedell der Universiiat in Uppssla. 

unverfälscht fortvererbt hatten. Bald sah man nur mehr hie 
und da ein altes Mütterchen oder einen greisen Waldbauer 
in der noch vor wenigen Jahren dem ganzen Kirchspiele 
eigenthümlichen Tracht zur Kirche wandern, das alte, ge- 



FERDINAND KRAUSS. 



schnitzte Hausgeräth zeigte sich jetzt oft unbequem, gegen 
jenes, welches der Handlungsagent den Bauernleuten anpries. 
Dem Handlungsagenten folgte wieder bald der Antiquitäten- 
händler, der das alte Gerümp£l, sowie den alten, kunstvollen 
Brautschmuck so gut und bar bezahlen konnte, und die 
Bäuerin, welche wie ihre Urgrosseltern in der alten Brau- 
stube jedes Jahr ihr Julbier selbst braute, bezog jetzt von 
der nächsten Station das billige Product der Actien-Dampf- 
brauerei. 

In dieser Zeit des Ueberganges der altvererbten Cultur 
des Landvolkes zu neuen, modernen Culturströmuiigen, durch- 
wanderte, wie erwähnt, Dr. Hazelius die Thäler und Berge 
Dalekarliens; betrübten Herzens sah er auch hier das Volks- 
thümliche im reissenden Niedergang begriffen und eine Welt 
von so vielen Generationen heiliger Ueberlieferungen spurlos 
untergehen. 

Aber Hazelius war nicht der Mann dazu diesem Unter- 
gang der nationalen Eigenart seines Volkes mit verschränkten 
Armen zuzusehen, und bald bildete sich immer klarer bei 
ihm der Gedanke aus, dass jetzt eine rettende That geschehen 
müsse, um in letzter Stunde der aus Wald und Haide, aus 
Haus und Hof vertriebenen, alten, nationalen Sitte ein sicheres 
Asyl zu schaffen. 

Hazelius kehrte nach Anknüpfung vieler. Verbindungen 
mit gleichgesinnten, patriotischen Männern und Frauen nach 
Stockholm zurück, mit der festen Absicht, ein culturhistori- 
sches Museum im grossartigsten Massstabe zu gründen, und 
bald sehen wir ihn rastlos an der Arbeit zur Realisirung 
seines, wie wir sehen werden, gigantischen Planes. 

Sein Privatvermögen vorerst engagirend, knüpfte Ha- 
zelius zugleich tausend Verbindungen an, die sich bald über 



FERDINAND KRAUSS. 



3. Kirchenthlir ans dem Kirchspiel Moheda [a Smäland, Scbwedeo. '/d >>■ ^'- 



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FERDINAND KRAUSS. 



ganz Skandinavien bis Island, und über Finnland erstreckten, 
wusste namentlich auch die Frauenwelt Skandinaviens für 
seine Pläne zu interessiren und täglich neue Gönner und 
materielle Hilfe dem patriotischen Unternehmen zuzuführen. 

Hazelius nahm Alles: Das Haus vom Keller bis zum 
Dachfirste mit allem Schmuck und Hausrath, wie es lag und 
stand; das Zelt der Lappenfamilie mit Kind und Kegel, mit 
den Renthieren und Lappenhunden; die Trachten aller Kirch- 
spiele, vom Taufhäubchen des jungen Weltbürgers bis zum 
vollen Hochzeitsstaat des Brautpaares, von der Witwentracht 
bis zur Trauerkleidung, von der steinernen Axt des Urbe- 
wohners Skandinaviens bis zum Celt des Zeitgenossen des 
Bronzealters von der ehernen Streitaxt des Wikingers bis 
zur Holzhacke des Waldbauern unserer Zeit wurde kein 
Werkzeug, keine Waffe verschmäht; alte, nationale Musik- 
instrumente und die primitiven Hörner der Hirten waren 
ebenso willkommen wie alte handgewebte Spitzen und Tep- 
piche; die alten Rumpelkammern der Kirchen, in welche 
man vielfach nach der Reformation das kunstvolle, katho- 
lische Cultusgeräth gesteckt hatte, wurden systematisch durch- 
forscht; die Ketten der Gefangenen und die Prangersäule 
durften so wenig fehlen, wie die Uniformen des Heeres und 
die alten Trachten der Universitätspedelle. 

Aber bald zog das Unternehmen immer weitere und 
weitere Kreise, und indem sich ihm die Pforten des Bürger- 
hauses und der Adelsschlösser erschlossen, ergänzte sich das 
Bild der Culturentwickelung Skandinaviens zu einem fest- 
geschlossenen Ganzen. 

Bis zu den Zeiten des dreissigjährigen Krieges lebten 
Bauer, Bürger und Adel verhältnissmässig in sehr schlichter 
Weise; mit dem während der langen Dauer des Krieges ein- 
getretenen, innigen Contact mit den reichen Patrizierhäusern 



FERDINAND KRAUSS. 



4, Bettslelle aus Jutland, DäDemark, '/n n- Gr. 



12 FERDINAND KRAUSS. 



der freien deutschen Reichsstädte und der adeligen Ahnsitze, 
deren Kunstschätze vielfach von den schwedischen Heer- 
führern als Kriegsbeute nach den heimischen Schlössern ent- 
führt wurden, kam aber nun auch der steigende Luxus und 
die Sucht nach kunstvollerer und reicherer Ausstattung der 
Wohnstätten, namentlich der adeligen Schlösser, in das Land, 
und von dieser Zeit an machten sich alle Wandlungen der 
wechselnden Stilarten im schwedischen Kunstgewerbe, wel- 
ches lange unter deutschem Einfluss stand, geltend, und die 
üppigen, kühnen Schöpfungen der Barocke, die geschweiften 
Linien des Rococo, und die harten Kanten und Ecken des 
steifen Empire gelangten nacheinander zur despotischen Herr- 
schaft, wie in Frankreich und Deutschland. 

Kostbare Prunk-Wägen und Schlitten, Girandoles und 
Lusters, Gobelins und Fauteuils, Kamine und Plafonds, Truhen 
und Schränke mit kunstvollen Intarsien, Perlen der Gold- 
schmiedkunst neben dem schmiedeisernen Wirtshausschild 
der Schlosstaverne, die mächtigen Humpen und Laden der 
Innungen neben kostbaren Fayencen und Majoliken, meister- 
hafte historische Gemälde und naive Schöpfungen eines ver- 
kannten Dorfgenies, auf grobem Papier gemalt, vergilbte 
Urkunden und Documente über wichtige Landrechte, das 
Handwerkszeug jedes Gewerbes etc.: Alles dies und noch 
vieles Anderes steuerten der schwedische Adel und die 
Bürgerschaft der Städte und Flecken bei. Kaum war ein 
Jahr verflossen, so konnte schon Hazelius im Oktober 1873 
die erste Section seines Museums eröffnen und damit zeigen, 
von welchen Principien er bei Gründung dieses Museums 
geleitet war. Da fand man kein gelehrtes, trockenes sche- 
matisiren und classificiren, da war alles sprudelndes, frisches 
Volksleben, mit einem Schlage wurde man in die Wohn- 
stätten des Volkes, in seine Sitten und Gebräuche, seine 



FERDINAND KRAUSS. 



5. Willkommen der Handschuhmacher 6. Schatfnerholi der Wagenmncher 
in Land, '/j n. Gr. in Norrköping, Schweden. 

'U n Gr. 

täglichen Arbeiten und häuslichen Industrien versetzt. Alles 
war Original, von der Schwelle bis zum Dachbalken, und die 
ebensvollen Volksgruppen, die diese Räume bevölkerten, 



durchwegs an Ort und Stelle nach der Natur, meist von dem 
Bildhauer C. A. Söderman mit überraschender Treue mo- 
dellirt. 

Im Jahre 1878 konnte schon Hazelius eine ganze Reihe 
derartiger completer Wohnstätten mit sensationellem Er- 
folge auf der Pariser Weltausstellung exponiren, und die 



7. Schlitten aus Norwegen, '/u n. Gr. 

begeisterten Urtheile nahezu aller wichtigen Journale der 
alten und neuen Welt über die exponirten Wohnräume, 
welche damals in den ersten illustrirten Zeitschriften repro- 
ducirt wurden, gaben Zeugniss von der culturhistorischen 
Bedeutung der Schöpfungen Hazelius'. 

Bald ging Hazelius in seinen Bestrebungen nach in- 
structiver Wirkung seiner Tableaux noch einen Schritt weiter 



»5 



und versuchte mit Glück auch die landschaftliche Staßagc 
in seine lebenden Bilder einzubeziehen, und namentlich die 
sanftansteigenden Gelände der weitverzweigten Ufer der 
schwedischen Seen erwiesen sich, bei entsprechender, dcti- 



8. Schulten aus dem Kirchspiel Oslre Slidre in Vnldcrs, Notwegen. '/„ n. Gr. 

cater, künstlerischer Behandlung, als Hintergrund meist von 
entzückend malerischer Wirkung. 

Mit einem Stab von Secretarinnen umgeben, arbeitete 
nun der edle Gründer des Museums, welches jetzt im ganzen 
Lande und nahezu in allen Staaten Europas und in allen 
Theilen der Welt Mitgheder hat, rastlos an der Erfüllung 
seiner hochherzigen Ideale. Haus füllte sich um Haus, und 



NAND KRAUSS. 



immer enger ivurden die Räume, und immer weiter das Er- 
werbungsgebiet des Museums. Nicht die politische Grenze 
setzte sich Hazelius als Ziel des 
Feldes seiner Thätigkeit, sondern 
die Gebietsgrenze der skandinavi- 
schen Stammsprache. Dieser Völ- 
kercomplex schlicsst zunächst ein: 
Dänemark mit Jutland und den In- 
seln, das ganze Schweden und Nor- 
wegen mit seiner dreifachen Natio- 
nalität von Skandinaviern, Lappen 
und Finnen, Island und die Färöer, 
endlich das gegenwärtige Gross- 
herzogthum Finnland und die öst- 
lichen Inseln, theilweise von Völ- 
kern schwedischer Abstammung 
bewohnt. Ein Blick auf die Karte 
Europas wird genügen, sich zu 
überzeugen, welch riesige Fläche 
Erde herangezogen wurde, um 
ihren Beitrag zu der Sammlung 
des Dr. Hazelius zu liefern. 

Wenn der Gründer mit der 
Zeit die dänischen Besitzungen von 
Grönland seinem Erwerbungsgebiet 
hinzufügen wird, so wird dieses mit 
Ausnahme der ausschliesslich russi- 
schen Abhänge am Eismeere fast 
die Hälfte der nördlichen Theile 
des Erdballes umfassen, vom nörd-i 
liehen Deutschland ausgehend, bis 
zum ewigen Eis des Nordpoles, von 



9. •Roekblad» aus dem Kirch- 
spiel Kidmansö in Uppland, 
Schweden. '/« •>. Gr. 



FERDINAND KRAUSS. 



»7 



den arktischen Grenzen Amerikas bis zu jenen Regionen wo 
die Dwina ihre Fluthen dem Weissen Meere zuführt. 

Aber Hazelius begnügt sich nicht im Nordischen Museum 
culturhistorische Schätze in zahlloser Menge aufzuspeichern 
und wieder in lebensvollen Charakterbildern zu vereinen, 
sondern ist ebenso rastlos bestrebt, in einer ganzen Reihe 
Publicationen * unter Mitwirkung der hervorragendsten schwe- 
dischen Gelehrten und Schriftstellerinnen die alten Sitten 
und Gebräuche, Lieder, Sagen und Märchen, Bauart und 
Ausschmückung der Wohnungen etc., mit einem Worte, das 
Leben der nordischen Völker eingehendst zu beschreiben 
und dadurch der Vergessenheit zu entreissen, sowie anderer- 
seits die wichtigsten Erwerbungen des Museums, und nament- 
lich die kunstgewerblich hervorragenden Objecte in künst- 
lerisch colorirten Reproductionen in dem Prachtwerke Mifh 
neu frän Nordüka museet zu publicircn. 



Wir können kaum richtiger den Umfang, den dieses 
culturhistorische Museum in dem ersten Jahrzehnt seines 
Bestehens genommen hat, und die Aufgaben, die dem Grün- 
der noch als Ideal vorschweben, illustriren, als wenn wir das 
Programm zu dem projectirten Bau eines neuen Museum- 
gebäudes auf den vom Könige Oskar IL, einem der edelsten, 
unermüdlichsten und hochherzigsten Förderer und Gönner 
des Museums, im Thiergarten dazu gewidmeten Gründen 
skizziren. 

Dem Architekten wurden nachstehende Aufgaben ge- 
stellt: 



* Meddelanden fran Samfundei för Nordiska museeis /rämj'ande. — 
Bidrag tili vär odlings häfder, Verlag von F. & G. Beijer. Stockholm. — 
Minnen fr in Nordiska museet, Verlag von P. B. Eklund. Stockholm. 



i8 



FERDINAND KRAUSS. 



1. Das Gebäude soll in monumentaler Hinsicht sowohl 
der ausgezeichneten Lage des Platzes, als auch der grossen 
nationalen Bedeutung vollkommen entsprechen. 

2. Das Gebäude soll enthalten: 

a. Ausstellungsräume: Eine grosse Haupthalle mit Gallerien 
durch zwei Etagen, so geordnet, dass Gewächse und Spring- 
brunnen angebracht werden können. In der unteren Gallerie, 
welche wenigstens 4*50 Meter hoch sein soll, muss sich Raum 
zur Anordnung von ungefähr 50 kleineren Räumen zur Dar- 
stellung von Interieuren aus Bauernstuben etc. finden. Für den 
grösseren Theil derselben wird ein Raum von 5 Meter Breite 
und Tiefe zu berechnen sein; 10 — 15, zu Landschaftsbildem 
bestimmt, müssen je eine Breite von 8 — 9 Meter haben. Alle 
diese Räume, deren Vorderseiten nach der Haupthalle offen 
liegen, sollen zugleich die Beleuchtung von rückwärts er- 
halten, was für die Bauernstuben wegen der an ihren Hinter- 
wänden angebrachten Fenstern und für die Landschaften, 
um ihnen eine stimmungsvolle Beleuchtung geben zu können, 
von Wichtigkeit ist; die obere Gallerie ist zur Aufstellung 
von Bauern-Utensilien bestimmt. Weiter einen grossen 
Waffensaal und einen grossen Saal für kirchliche Alter- 
thümer; beide Säle, jeder ungefähr von 35 Meter Länge, 
müssen in einer Parterre-Etage nahe aneinander liegen. Fer- 
ner eine grössere Wohnung, zum Aufbewahren geschicht- 
licher Andenken bestimmt, und einen so grossen Saal, als 
die Verhältnisse es gestatten, enthaltend. In allen diesen 
Sälen können an passenden Stellen Gallerien angebracht 
werden. Endlich 70 — 80 Zimmer för Gegenstände, den be- 
sonderen Gewerben und den höheren Ständen angehörend; 
diese Zimmer sollen im Allgemeinen 10 Meter lang und 7 
Meter tief sein. 




FERDINAND KRAUSS. 19 



b. Bibliotheksräume: Ein Büchersaal, ein Lesesaal, ein 
Zimmer für Kupferstiche. 

c. Vorrathsräume: Wenigstens drei oder vier grosse Säle. 

d. Arbeitsräume: Einen Auspackungsraum sammt Werk- 
stätte für den Rüstmeister; einen Reservcvorrathsraum ; ein 
Arbeitszimmer für drei Gehilfen; eine grössere Werkstätte 
für Tischlerarbeiten etc.; ein Arbeitszimmer für zwei Ge- 
hilfen; ein Arbeitszimmer für einen Gehilfen (Cassencomp- 
toire); einen Empfangsaal; ein Arbeitszimmer für den Di- 
rector; ein Archiv. 

e. Räume für die Bedienung: Drei Zimmer mit Küche 
für den Rüstmeister und Portier; drei Zimmer mit Küche für 
die weibliche Bedienung. 

Wärmeleitung und Ventilation sollen sowohl in den 
Zimmern, als auch in den Vordielen des Gebäudes ange- 
bracht werden. 

Ueber erfolgte Concurrenzausschreibung liefen 15 Bau- 
pläne ein, von welchen der Entwurf des Architekten W. Man- 
chot in Mannheim mit dem ersten Preise von 1,500 Kronen 
ausgezeichnet wurde. Weitere Preise wurden den Architekten 
H. Mahrenholz in Berlin, V. Karlson und C. Wallentin in 
Stockholm, J. Benischek in Prag, B. Schmitz in Düsseldorf 
und J. L. Peterson in Stockholm für ihre Entwürfe zuerkannt. 

Der Bau wurde auf 3 Millionen Kronen, also 2 Millionen 
Gulden ö. W. veranschlagt. 

Diese grandiosen Zahlen werden das beste Zeugnis geben 
von der wunderbaren Elasticität, von der rastlosen Thätig- 
keit, von dem edlen, hingebenden Patriotismus des hoch- 
herzigen Gründers des Museums, und wir lernen staunend, 
welch einen ungeheueren Organismus die zähe eiserne Willens- 
kraft eines einzigen Mannes in Bewegung setzen kann. 



20 



FERDINAND KRAUSS. 






Man müsste Bände füllen, um die Sammlungen des Mu- 
seums auch nur flüchtig zu beschreiben, und wir müssen uns 
daher nur auf ganz allgemeine, irreguläre Wanderzüge be- 
schränken. 

Das Museum zerfällt heute in fünf Gruppen, die in oft 
weit von einander getrennten Gebäuden untergebracht sind. 

Der »Südliche Pavillon», welcher zuerst und zwar im Oc- 
tober 1873 eröffnet wurde, führt uns namentlich in das Volks- 
leben der südlichen und mittleren Provinzen Schwedens ein. 
Der »Nördliche Pavillon», der im Jahre 1874 eröffnet wurde, 
umfasst das Leben des einzig in Europa noch nomadisiren- 
den Volkes der (schwedischen) Lappen mit ihren Rennthieren, 
Schlitten und Zelten, ihren Götzenbildern und Zaubertrom- 
meln, ihren Jagdwaffen und Hausgeräthen. Hier mystificirt 
nicht selten der echte Lappenhund, der bestimmt war, aus- 
gestopft die Zelte seiner Gebieter zu bewachen, die Besucher, 
welche, wie es dem Verfasser geschehen, sein Gebell oft für 
die Wirkung eines sinnreichen Mechanismus halten. 

Dr. Hazelius Hess den wackeren Spitz mit den langen, 
dunklen, wolligen Haaren, den lebhaften Augen und spitzen 
Ohren aus seinen heimatlichen, eisigen Thälern holen, um 
ihn, wie erwähnt, ausgestopft als Zeltwächter zu placiren. 
Als dies arme Thier die Gestalten, die seinem Herzen theuer 
waren, erblickte, schienen in ihm die Erinnerungen an seine 
ferne Heimat zu erwachen, an die Heimat mit ihren Schnee- 
und Eisfeldern, den Lappländern, ihren Zelten und Schlitten. 
Mit dem Schweife wedelnd, ging er von einem Gegenstande 
zum andern, denselben beschnuppernd und nach seiner Art 
liebkosend, aber bald wurde der arme Hund gewahr, dass 
dieselben nur dem Leben nachgeahmt waren: das angespannte 
Rennthier blieb unbeweglich, die menschlichen Gestalten er- 
wiederten seine Liebkosungen nicht und er wurde von tiefer 



FERDINAND KRAUSS. 



Trauer befallen. Dieser schöne Zug dieses Hundelebens, 
sowie die Fürsprache der schönen Dalekariie rinnen retteten 
dem edlen Thiere das Leben, und seither lebt er mitten unter 
den todten, stummen Typen seiner fernen Heimat. 



II. Ilalsgesch meide ans Lappkiiil. '/< n. Gr. 

Im Jahre 1875 eröffnete Dr. Hazelius die dritte Abtheil- 
ung, welche das norwegische Volksleben umfasst. Liegt die 
Stärke der schwedischen Abtheilungen in den farbenreichen, 
kunstvollen Geweben, so fesseln uns hier besonders die in 
Norwegen eigenthümlichen, reich geschnitzten Hausgeräthe, 



FERDINAND KKAfSS. 



, Slunnhut >ua IlelsiDgland, Schweden. '/• ' 



13. Degen aus Norwegen. '/, n. Gr. 14. Säbel aus Nofwegen. '/. n, Gr. 



24 FERDINAND KRAUSS. 

Schüsseln, BierVannen etc. durch ihre drolligen Formen und 
die humoristischen Devisen. 

Im Jahre 1877, also im fünften Jahre des Bestehens dieses 
Museums, eröffnete Hazelius in einem geräumigen, zweistöcki- 
gen Bau die 4. und 5. Abtheilung des Museums. 



In diesen ungeheueren Räumen mit ihren 20 Unterabtheü- 
ungen führt uns Hazelius in das Volksleben in Dalekarlien, 
sowie insbesondere in die einzelnen Gewerbe und Industrien 
ein. Andererseits sehen wir hier die culturhistorische Ent- 
wickelung der höheren Stände in anschaulichster Weise dar- 
gestellt. Schliesshch finden wir hier schon die Anfänge der 
neuen Section für geschichtliche Erinnerungen Schwedens, 



FEKDINAND KRAISS. 15 

als deren Mittelpunkt die aus Kriegstrophäen aller Art auf- 
ragende lebensgrosse Gestalt Carl XII., sowie die Hildcr Ber- 
zelius' und Tegn^r's zu betrachten sind. 

In allen Räumen finden wir schöne Dalekarlierinncn in 
ihrem farbenreichen, oft ungemein malerischen Nationalcostum 



prangend, darunter wahrhaft reizende Kinder, als Aufseherin- 
nen placirt, und diese frischen, lebensvollen Originaltypen 
tragen nicht wenig dazu bei, das Museum populär zu machen. 
Gleich bei dem Eintritte wird man eigcnthümlich bewegt. 
Man blickt in das Innere einer Bauernstube der Gegend von 
Ingelstad; da fehlt kein Nagel an der Wand, der Tisch ist 
gedeckt, nur zum Zugreifen, das bemalte Bett mit Himmel, 



26 FERDINAND KRAUSS. 



die Truhen, der alte Apostelofen, der Geschirfechen, die Ofen- 
bank — Alles hat den richtigen Platz. Die Wände sind mit 
gestickten Linnen überzogen, der stattliche Bursche reicht 
der glücklichen, im vollen Brautschmucke prangenden Braut 
die Hand, ein anderer ganz in weisses Leder gekleideter 
Bursche stopft sich sein Pfeiflein, die alte Mutter wärmt sich 
auf der Ofenbank, ein Kind füttert die Gans, welche aus dem 
Fensterchen der Truhe, die zugleich als Hühnersteige dient, 
den Hals weit vorstreckt. — Ein anderes Bild : aussen wehen 
die Winterstürme, das kleine Fenster ist verschneit, auf dem 
Herd flackert behaglich der Feuerbrand, der alte Hausvater 
ruht auf der Ofenbank, das greise Mütterchen im bequemen 
Grossvaterstuhl liest in der vergilbten Bibel, der schwarze 
Kater schmiegt sich schnurrend an sie an. — Wieder eine 
andere Gruppe: ein Hirtenmädchen sitzt mit der Schalmei 
auf felsigem Hügel, ein Bursche, auf die Sense gestützt, spricht 
zu Bauer und Bäuerin, die auf moosigem Baumstamme ruhen. 
— Was flimmert und glitzt da vor uns, dass es uns fast 
fröstelt.^ Es ist die Winterlandschaft mit dem Lappenlager, 
die Bäume brechen fast unter der Schneelast; das Rennthier 
ist angespannt an den einem Canoe gleichenden Schlitten, 
aus welchem der Lappe nur mit dem Oberkörper hervor- 
ragt, ein anderer Lappe fliegt in Pelze gehüllt, mit seinen 
fast drei Meter langen, schmalen Schneeschuhen über die 
eisigen Flächen hin; blicken wir aber in das Zelt aus Renn- 
thierfellen mit Kind und Weibern, am Herde beschäftigt, so 
rufen wir förmlich: »Pardon, ist's erlaubt?» So naturwahr ist 
diese Gruppe. 

Aber auch der Ernst des Lebens fehlt nicht. Wieder blicken 
wir in eine Bauernstube; das jüngste Kind in der Wiege ist 
soeben verschieden, klagend liegt die Mutter, über die Leiche 
gebeugt, auf den Knien, der Vater, von den übrigen Kindern 



FERDINAND 



umringt, sitzt gebrochen daneben, der greise Grossvater mit 
weissem, wallendem Haar liest den Psalm aus vergriffenem 
Gebetbuche, im Hintergrunde steht schon der offene Sarg. 
Aber nicht in diesen zahllosen Gruppen, deren Costiim 
bis in die unscheinbarsten Details original ist, allein liegt der 
Werth und die Eigenart dieser Sammlungen, vielmehr in 
erster Linie in der Ausschmückung und Hauart der Wohn- 



17. Frau aus Buta Hürad in Schonen, Schweden. 

ungen; hier fehlt kein Geräth. Von den einfachsten Holz- 
schusseln, dem Spinnrocken und Webestuhl bis zum Himmel- 
bett, dem Ofen und der Truhe ist Alles auf seinem Platze 
und alles VolksthUmliche wird uns hier erschlossen. 

Ausser den ganzen Stuben und Gruppen finden wir hier 
zahlloses Hausgeräth, meist geschnitzt und bemalt, besonders 
zu Tausenden die geschnitzten Wäscheroll-Platten mit Hand- 
habe in zahllosen Varianten, Pferdekummete, ganz von Holz 
geschnitzt und bemalt, Holzkästen für amtliche Verlautbar- 



FERDINAND KRAU SS. 



18. Maagelbrett nus dem Kirchspiel Ökna 19. Mangelbreit aus Dovre, 

in SmÜland, Schweden. Nordre Gudbraodsdalen, Norwegen. 



FEBDtNAND KRAUSS. 



FI.J(I>IXAVI> KRAl*;S. 



ungen. dennt Weiterbeförderung durch Niederlegen auf hal- 
bem W'e^ zur Nachbargemeinde erfolgt, Holzklötze mit 




menschlichen Zähnen beschlagen, die, wenn man sich darauf 
setzt, das Zahnweh verhüten sollen, Kalender auf Holzstäben, 



KERDINANI) KRAUSS. 



ebenso yanze Gemeinderegister mit den Namen von hundert 
Grundbesitzern aufeinem Holzstab, merkwürdige handgewebte 
Teppiche mit biblischen Darstellungen, Brautschmuck aller 



Art, Brautsättel, Brautlöffel am Halse zu tragen, geschnitzte 
Stangen zum Aufhängen der Kleider, mit Drachenköpfen, 
Gewichte von Holz, Wiegen, Spindeln, Butten, Kübel, Löffel, 
Holzschüsseln, Tabakdosen, Schlitten, Runenstäbe, Kirchen- 
stühle etc. etc. bis zur Ermüdung massenhaft, meist geschnitzt 



FERDINAND KR AU SS. 




33 


und bunt mit Schlangen 


und Drachen bemalt, 


daneben bc- 


gleiten uns stets viele historische Erinnerungen 




Haben wir bisher nu 


flüchtig das Museum 


durcheilt, so 


müssen wir doch bei zwei interessanten Wohnstuben, der 




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Delsbo- und der Hallandstube, länger 


verwei 


en, und hier 


an der Hand der in »M 


nnen frän Nordiska 


museet» dies- 


bezüglich pubhcirten Au 


fsätze uns in 


eine eingehende IBe- 


Schreibung dieser Bauernstuben und ihre 


Bewohner einlassen. 



34 FERDINAND KRAUSS. 



Die Delsbostube in Helsingland.^ 

Freilich wird der Stein, der von Allen bespuckt wird, 
nass, sagt ein altes Sprichwort, das sich auch für das Delsbo- 
Kirchspiel bewährt, dessen Fehler, nahe und ferne, Allen 
auf der Zunge liegen. Auch das humoristische Gemüth des 
Delsbobauern hat viel dazu beigetragen, den Spott in Um- 
lauf zu bringen. Ein sehr achtbarer Delsbobauer ward von 
einem Kaufmanne in Hudiksvall gefragt, wie oft er Schläge 
bekommen* (die Ruthe gekostet). »Herbst und Frühling 
giebt es immer», anwortete er. Der Delsbobauer bemüht sich 
nicht, gegen derlei Neckereien aufzutreten, er antwortet nur 
in der ihm angeborenen, spitzigen Weise, und sein Vorrath 
an solchen Antworten ist unerschöpflich. Dies Unterlassen, 
sich zu vertheidigen, rührt theilweise von seiner Geringschätz- 
ung gegen Alle, die seinem Kirchspiele nicht angehören, 
her, seit Alters heisst es bei ihm: »Er oder sie möge für ein 
anderes Kirchspiel gut sein»; und dies stolze Urtheil des Delsbo- 
bauern über fremde Leute kennt man schon seit sehr langer Zeit. 
Die steigende Bildung und der erweiterte Verkehr schleifen der- 
gleichen scharfe Ecken ab; dass aber eine seltene Kraft und 
Starrsinn den Grundzug des Charakters des Delsbovolkes bil- 
det, und sowohl im Guten als im Bösen hervortritt, lässt sich 
leicht beweisen. Nirgends wird eine grössere Arbeitslust, 
als bei den alten, echten Delsbotypen angetroffen. Den 
Sommer gönnen sie sich weder des Tages noch Nachts einige 
Ruhe und ein wohlbekannter, reicher Mann, der um das Jahr 



' Vgl. L. Landgren : Stuga i Delsbo socken i Helsingland^ in Minnen 
fr an Nordiska museei. B. i. H. 3. Stockholm 1884. 

^ Die Prügelstrafe ward ehedem sehr oft angewendet. 



FERDINAND KRAUSS. 35 



1813 starb, entkleidete sich während der Erntezeit nie. Einst, 
als die Sonne so naseweis war, vor ihm aufzustehen, brach 
er in arge Schmähungen gegen die Königin des Tages aus. 
— Ein anderer Bauer, der in einem hitzigen Nervenfieber lag, 
ward von seinem Pfarrer besucht, der die Worte Isaias 
citirte: »Bestelle Dein Haus, denn Du wirst sterben und 
nicht am Leben bleiben.» Der Bauer ward wüthend und rief 
mit schweisstriefender Stirnc: »Habt Ihr je einen Solchen 
gehört, er sagt, ich müsse sterben, ich, der ich die Stube 
voller Kinder und Schulden über die Ohren habe.» — Es 
liegt auf der Hand, dass mit Un Verdrossenheit gearbeitet 
wird, um den zerrissenen Beutel zu füllen. Die Erfahrung 
lehrt aber auch, dass dieser Arbeitstrieb reiche Früchte trägt. 
Aber hievon wollen wir hier eigentlich nicht sprechen, son- 
dern von der Bekleidung und der Wohnung der Delsbo- 
bauern. Von ihren alten Trachten sind jetzt nur mehr einige 
Reste übrig geblieben. Wir müssen ins vorige Jahrhundert 
zurückgehen, wo noch das alte Ceremoniengesetz in aller 
unerbittlichen Strenge herrschte, um den Zweck jedes Klei- 
dungsstückes oder wenigstens die eigenthümliche Sorgfalt 
und Genauigkeit, womit dergleichen Dinge behandelt wurden, 
genau kennen zu lernen. 

Wir wollen mit den Kopfbedeckungen der Männer an- 
fangen; es gab deren viererlei, die schwarze, hellblaue und 
rothe »Bandmütze» und die »Keilmütze». Der am Tische ste- 
hende Mann dem blauen Anzüge trägt die rothe Bandmütze. 
Diese ist die einzige noch benützte, doch nicht als Kirchen- 
anzug, sondern an Sonntagsnachmittagen und bei kleineren 
Festen. Ehedem ward sie bei den grossen Festen in der 
Kirche und vom Bräutigam am zweiten Aufkündigungstage 
getragen. Bei der dritten Aufkündigung wurde die schwarze 
Bandmütze, und bei der Trauung der Hut getragen. Die 



36 



FERDINAND KRAUSS. 



schwarze Bandmütze wurde übrigens während der Fastenzeit, 
während der Todtentrauer und als ein Therl der Trauer- 
kleider benützt. Beim eigentlichen Kirchgange wurde die 
hellblaue Bandmütze und bei Trauungen der Hut getragen. 
Die Keil- oder Zipfelmütze, die der am Tische im ledernen 
Koller sitzende Mann trägt, gehörte früher fiir Alt und Jung 
zur Alltagstracht. In den Kirchspielen an der Meeresküste 
hat sich eine Volksbelustigung erhalten, bei welcher man 
während des Ringtanzes die Delsboleute neckte und unter 
anderem sang: 

Juchhe, hebet die Kollerhosen, 
Juchhe, rüttelt die MüUl 

Beim Manne folgte die schwarze Mütze dem schwarzen 
Wams, wie die hellblaue Mütze dem hellblauen Wamse; dem 
blauen Wamse folgte die rothe Mütze. Wenn man die Benütz- 
ung des einen Kleidungsstückes kennt, kennt man überhaupt 
auch die der anderen. Zu diesen drei verschiedenen Wämsern, 
die stets von Tuch waren, gehörten die schwarzen und weissen 
Jacken aus vadntal (schweres Wollentuch), die in der Haupt- 
form den Wämsern glichen. — Die schwarze Vadmalsjacke 
war die allgemeine Spaziertracht und kaum besser als ein 
Alltagsanzug; sie ist an dem Gaste, der mit dem Rücken 
gegen die Thür gewendet steht, mit ledernem Gürtel und 
Filzmütze zu sehen. — Zu diesen fünf Arten Röcken kommt 
noch der Koller aus dänischem Leder, der nur an den grossen 
Buss- und Bettagen, und an Passions- und Katekismen-Pre- 
digten benützt wurde. Die kurze blaue Jacke ist eine Er- 
findung der Neuzeit. 

Dass das blaue Tuchwams um das Jahr 1500 die ge- 
wöhnliche, europäische Herrentracht war, ist deshalb anzu- 
nehmen, weil die Zöglinge an der Christhospitalschule in 
London jetzt noch den Rock tragen, der in allen Stücken 



FERDINAND KRAUSS. 37 



dem blauen Wams der Dclsboleute ähnlich ist. — Mit der 
Stiftung dieser Schule hängt er folgendermassen zusammen: 
Als der Bischof Ridley einen Sonntag sehr kräftig über die 
christliche Liebe und die Pflichten der höheren Stände, sich 
der ärmeren anzunehmen, predigte, ermunterte ihn der Kö- 
nig, Eduard VI., nach dem Schlüsse der Predigt, einen Plan 
zu einer derartigen Institution vorzulegen. Die Frucht davon 
ward Sanct Thomas-Asyl für arme Kranke, Bridewell zur 
Besserung der Müssiggänger und Christhospital für die Er- 
ziehung armer Kinder. Für diese Schule, die in dem alten 
Dominikanerkloster (die »grauen Brüder» im Norden genannt) 
untergebracht und mit grossen Domänen bedacht wurde, galt 
als Eintrittsbedingung, dass alle Jünglinge zu allen Zeiten 
den damals benützten Anzug tragen sollten, und dazu ge- 
hörte das fragliche blaue Wams und noch jetzt heisst die 
Schule bluecoat-school oder Blauwamsschule. 

Es ist ein ganz eigenthümliches Bild, diese Schar von 
über tausend grösseren oder kleineren Jungen sich auf dem 
Spielplatze der Schule im blauen Wams, Predigerkrause und 
Kniehosen und gelben Strümpfen tummeln zu sehen. 

Auch in Delsbo trug bis 1759 jeder Bräutigam die Pre- 
digerkrause und die Predigerkappe, welche Sitte aber später 
infolge eines Kirchspielsbeschlusses abgeschafft wurde. — 
Im Kirchspiel Bergsjö, im nördlichen Helsingland, herrschte 
bis 1726 gleichfalls dieser Gebrauch (laut Aufzeichnung in 
den Kirchenbüchern). Nach dieser culturhistorischen Ab- 
schweifung müssen wir noch einige Worte über die Frauen- 
Trachten in unserer Stube hinzufügen. — Das barfüssige 
Mädchen am Spinnrocken ist in den gewöhnlichen Alltags- 
kleidern angezogen, die Frau mit dem kupfernen Kruge und 
krausiger Jacke ist in gewöhnlichem Sonntagsanzuge, der 
auch bei Hochzeiten und bei Besuchen in fremden Städten 



3 8 FERDINAND KR AU SS. 

getragen wird. Die gestickte Jacke mit rothem Grunde wech- 
selt mit der mit grünem Grunde, 

Als Kirchenanzug wurde ehedem eine bis ans Knie 
reichende schwarze Jacke, ein des Winters im höchsten Grade 
unzureichendes Kleidungsstück, getragen. Auf dem Kopfe 
trug man einen schwarzen Hut, eventuell eine Art sehr hohe 
und über die Ohren reichende Mütze (die unter dem Kinn 



29. Scboalle aus dem Kirchspiel Jarfsö in Helsingland, Schweden. N. Gr. 

ZU binden war), mit einer schwarzen, drei Zoll breiten Spitze, 
die von der Stirne über die Mütze bis zum Nacken reichte. 
Ein weisser Spitzenbesatz ging bei verheirateten Frauen von 
der unteren Kante des Hutes um das Gesicht. 

Den Delsbo-Bewohnerinnen eigen ist die sogenannte 
nacke, damit ist die Art und Weise verstanden, wie die 
Haarflechten angebracht sind. Die Schwarznacken werden 
durch schwarze, gemusterte Bänder über dem Scheitel an- 
gebracht und des Sonntags in der Kirche getragen. 



FERBtNAND 



39 



Die »Nacken» der Brautmädchen wurden an den zwci- 
zöUtgen rothen Glttterbändem (auch über dem Scheitel ge- 
bunden] erkannt. Die Nacken, die das versprochene Mäd- 
chen am Tage der Aufkündigung trägt, zeichnen sich durch 
rothe Glitterbänder aus. Die Nacken der Delsbomädchcn 
erinnern an den sfu>o4 der schottischen Bauemmädchcn. 



30. PeUhandschnh aus dem Kirchspiel Dehho in IleUlngUnil, Schweden. 
','1 n. Gr. 

Sowie die schottischen Mädchen beim Falle den «Snoods nicht 
mehr tragen durften, so verliert auch das Delsbomädchen 
in diesem Falle die Nacken. In der Delsbostube sind alle 
Frauen in ßäs/u/va, BeutelmUtzen, und mit ausgeschlagenem 
Haare dargestellt. Alltags wird nur geflochtenes Maar, mit 
einem Kamme befestigt, getragen, das während der Feld- 
arbeit mit einem Tuche bedeckt ist. Im vorigen Jahrhundert 
mussten Weiber und Männer nach dem Charakter des Hei- 



40 FERDINAND KRAUSS. 



ligen oder des Sonntags angezogen sein. Wem die erforder- 
lichen Anzüge fehlten, der musste zu Hause bleiben. 

Als Beweis des eisenharten Scepters, womit man die 
Sittlichkeit zu erhalten bestrebt war, mag noch erwähnt wer- 
den, dass früher die gefallenen Bräute gezwungen wurden, 
die Kreuzmtitze zu tragen; sie war aus Fuchsfell gemacht 
und durfte auch nicht in der Kirche während der Trauung 
abgelegt werden. Samuel Ödman sagt in seinen Schriften 
über Knut Nilsson Lenaeus, Prediger in Delsbo, er wäre 
durch das herzzer reissende Weinen einer solchen Braut bei- 
nahe aus seiner Predigt gerathen. 

Der Delsbobewohner stellt seine Frauen hoch. Da sie 
ein hundertelliges Stück Grobgewebe fest und dauerhaft in 
zwei Tagen weben, scheint der Mann durchaus keinen Grund 
zu haben, unzufrieden zu sein, besonders wenn alle sonstige 
Arbeit auch dabei rasch ausgeführt wird und er singt: 

Und fragt man, wo die 

Emsigkeit hauset/ 

da ward die Gevatterin (die Pathe) 

froh und lächelte: 

In den Lüften ist die Lerche die 

schnellste und die Delsboraaid 

auf der Erde. 

Was nun die Stube betrifft, so muss bemerkt werden, 
dass bis ums Jahr 1850 die Delsbobewohner alle Pracht der 
Wohnungen hassten. Kaum dass sie ihr Haus roth anzu- 
streichen wagten, um nicht von den Nachbarn der Hoch- 
müthigkeit geziehen zu werden. Oft erdreisteten sie sich aber 
doch, rothgemalte Eckbretter anzubringen. Man betrachtete 
allerdings das graue Aussehen der Aussenwand als heilig und 
unantastbar, dagegen war man eifrig bestrebt das Innere des 
Hauses möglichst reich und glanzvoll auszustatten. Ein sehr 
gesuchter Maler, Gustav Reuter, der in der ersten Hälfte des 



FERDINAND KRAUSS. 4I 



17. Jahrhundertes lebte, hat nach bestem Können mit seinen 
blumigen Barockgemälden sowohl die Kirche als die Bauern- 
stuben ausstaffirt. Und die Stube, die im Nordischen Museum 
dargestellt ist, gehört insofern zu den hervorragendsten, als 
sie entgegen der allgemeinen Sitte mit Plafonddecke ver- 
sehen ist. 

Wie ersichtlich, ist das Dach mit symbolischen Vögeln, 
Engeln u. s. w. geziert, und an den Wänden begegnen wir 
den Helden aus der Vilkinasage, wie Burman und Holger, 
der Däne, oder auch biblischen Figuren. Zwischen der 
Thüre und dem Herde trifft man gewöhnlich eine stolze 
Figur in dem alten karolinischen Anzüge, mit einer Feuer- 
gabel in der Hand und daneben geschrieben: 

Hier halte ich Wache und heisse Knut, 

wer schlecht sich auflfUhrt, den jag' ich zur Thür hinaus. 

Was nun die Situation, worin sich die in unserer Stube 
vorgeführten Personen befinden, betrifft, so bemerkt man 
gleich, dass der eingetretene Mann eine wenig angenehme 
Ueberraschung hervorruft. Sicher ist er mit dem Hausherrn 
in Streit gerathen und glaubt mit dem alten Gerichtsacte, den 
er aufgestöbert hat und in der Hand hält, seinen Gegner 
besiegen zu können. 

Die eine Tochter sitzt am Spinnrocken, barfuss, im All- 
tagsanzuge. Die Mutter und die zweite Tochter sind eben 
aus einer Gesellschaft zu Hause gekommen, und haben den 
jungen Mann mitgebracht, dem vom Vater in der ererbten 
Silberschale Branntwein credenzt wird. 

Nach alter Gewohnheit beobachtete man, dass der Gast 
ohne erneuerte Aufforderung drei volle Löffel von dem In- 
halt der Schale nehmen darf. Das junge Mädchen ist die 
einzige Person, die sich um den Eingetretenen nicht beküm- 



42 FERDINAND KRAUSS. 



mert, sie ist zu sehr in Gedanken über den Gast des Hauses, 
den vor ihr stehenden Delsbojungen, versunken. 

Sämmtliche Bilder sind vom Bildhauer C. A. Söderman 
modellirt, einige von ihnen auf Kosten Sr. Majestät des 
Königs Oskar IL, der auch die Trachten (Anzüge) ge- 
schenkt hat. 

Zu der überwiegenden Derbheit gesellen sich wieder 
viele Züge von Herzlichkeit, Gutmüthigkeit und Wohlwollen, 
oft auch warmes Christenthum, und wer mit dem Delsbo- 
charakter vertraut ist, wird sich der Aussprache des eng- 
lischen Sängers über sein Vaterland erinnern: England, with 
all thy faults I love thee still! (England, deiner Fehler un- 
geachtet liebe ich dich doch!) 

Was die Natur des Delsbo-Kirchspieles betrifft, so sei 
es erlaubt, das zu wiederholen, was der alte Erzbischof 
Beronius in der Vorrede zu seiner Beschreibung des Delsbo- 
landes von Lenseus singt: 

Delsbo, du Krone der Gesundheit, der trefflichen Thäler, 

ein schöneres Gefilde sucht man im Vaterlande vergeblich. 

Die Felder strotzen an Ueberfluss, 

deine Wälder heben sich himmelhoch, 

Seen und schäumende Flüsse 

wimmeln von springenden Fischen. 

Herzlich ergötzt sich der Pan, 

wenn er von sonnigen Höhjen schauet 

die zahllose Menge der Herden, 

weidend am Berg und im Thal. 

Leben herrscht in den Lüften und in den Tiefen; 

hier schwebt die Waldnymphe, 

und im Thale necken die Elfen 

den blauäugigen Ran auf seinen Wegen. 



FERDINAND KRAUSS. 43 



Die Bälastube in Hailand.* 

Vor etwa 50 Jahren waren die nieisten Volkswohnungen 
in Hailand nach Art der Bälastuben gebaut. Diese Benenn- 
ung dürfte aus dem Worte bäle^ welches einen runden Baum- 
stamm, Sparren, bedeutet, herrühren, es wird mithin der 
Name bälastuga mit Sparrenstube gleichbedeutend sein. 

Zu jener Zeit lagen die Wohnungen dicht an einander, 
grosse Dörfer bildend; jedes Gebäude wurde von zwei Fa- 
milien bewohnt, deren Häuser an einander stiessen. Diese 
Wohnart rief die Benennung hinste^ im täglichen Gebrauche 
tili hinste^ bedeutend: in anstossender Wohnung, hervor. 

Gegenwärtig sind diese Wohnhäuser sehr selten. Die 
Hauptursache hievon ist in dem Ausscheidungsgesetze zu 
suchen, denn, als ein Theil der Insassen auszuziehen hatte, 
rissen sie die Wohnung ab, und man hat nicht erlebt, dass 
sie auf dem neuen Grundstücke die altmodische Stube wieder 
aufrichteten. Auch haben Feuersbrünste die Dörfer heim- 
gesucht, und zu guter letzt hat der dem steigenden Wohl- 
stande folgende Luxus, was noch übrig war, zu Grunde ge- 
richtet. Doch werden noch hin und wieder Stuben nach ur- 
alter Bauart angetroffen, besonders in den Waldgegenden, 
wo man die alte Anordnung beibehalten hat. Mustergiltig 
sind die, welche in den Kirchspielen Krogsered, Abild, Dräng- 

o 

sered, Asige und Arstads-Amt angetroffen werden. 

Einige für die Bewahrung alter Sitten eifrige Herren 
haben ihre Aufmerksamkeit auf derartige Erinnerungen der 
Vorzeit gerichtet. In dieser Sache thätig war besonders der 



* Vgl. A. BONDESON: Balastuga i Hailand, in Minnen fran Nordiska 
museet, B. i. H. 2. Stockholm i88i. 



44 FERDINAND KRAUSS. 



Gutsbesitzer Alfred Bexell, der in Balgö eine derartige Stube 
mit vollem Zubehör eingerichtet hat. 

Was das Äussere des Bälahauses betrifft, so ist es völlig 
unansehnlich. Es ist mit den Giebeln nach Ost und West 
gebaut und misst in der Länge 5*64 bis 6S^ Meter, die 
Breite ist etwa dieselbe. Die Höhe vom Grunde bis zum 
Dachstuhle ist 1-19 — 1*33 Meter; vom Grunde bis zur Spitze 
des Giebels 2*97 — 3*27 Meter. 

Die Plankenwände sind mit Brettern bekleidet. Das Dach 
ist entweder mit Halm oder mit der äusseren Rinde der Birke 
und darüber mit Erde gedeckt. An der Südseite, dem linken 
Giebel am nächsten, steigt 2*37 Meter über das Dach ein 
sehr massiver Schornstein mit grossen, flachen Tropfsteinen 
versehen, auf welchen die Hauswurz [Sempervivunt tectorum 
L.) prachtvoll gedeihet, auf. In der Mitte, dem Dachrücken 
näher als dem Dachfusse, ist in der regelrecht gebauten 
Stube (Haus) das einzige Fenster, das ein regelmässiges 
Viereck mit 0*59 Meter Seitenlänge bildet, angebracht. 
— Einige Stuben haben auch gegen Norden ein kleines 
Fenster. 

Der Eingang ist an der Nordseite in einem Vorbaue an- 
gebracht. Die Thüröffnung wird durch zwei Thürflügel von 
1*33 Meter Höhe geschlossen. Durch diese tritt man in die 
Vorstube, die durch das ganze Haus reicht und 1*78 Meter 
breit ist. — Von hier aus tritt man in die Stube. 

Die Bälastube bildet ein beinahe gleichseitiges Viereck, 
von 5*34 — 6*53 Meter Seitenlänge. 

Der Fussboden besteht aus Fichten- oder Föhrenplanken. 
Die Wände sind an der inneren Seite nicht mit Brettern be- 
kleidet, dagegen sind die Pfosten sorgfältig in einander ge- 
fügt, mit dem Bandmesser sorgfältig geplättet und stets blank 
gescheuert. 



FERDINAND KRAUSS. 45 



In Borsered, Abilds Kirchspiel, sind die Wände aus 
schweren, bis 0*59 Meter breiten Eichenblöcken gezimmert. 
Nach der oberen Kante der linken Wand läuft entweder 
eine' einfache Leiste, bandträt^ oder auch ein schmales Ge- 
sims, varremtnen. Oberhalb desselben beginnt die Ueber- 
deckung (das Grewölbe), die mit fein gehobelten Brettern 
aus Fichten- oder Föhrenholz verkleidet ist. Das Gewölbe 
wird von drei starken Balken getragen. 

Rechts, wenn man in die Stube tritt, begegnet man einer 
gewaltigen Herdmauer. Diese hat, der Thür am nächsten, 
eine grosse Vertiefung, die Feuerstelle, innerhalb derselben 
ist der Backofen angebracht. Des Sommers werden im Herde 
die Speisen gekocht, auch wird da das Brennholz und andere 
Sachen getrocknet. In der äusseren Mauer, in der vorderen 
Ecke, befindet sich die Einlage der Feuerung, darüber ein 
eiserner Balken mit einem Haken, an welchem der Kessel 
über das Feuer gehängt wird. Die Wölbung darüber heisst 
brig^ und darüber befindet sich ein Gesims, brigkyllan^ wor- 
auf in früheren Zeiten das Feuerzeug seinen Platz hatte. 
In diesem Theile der Mauer, die vorne mit der Wand und 
dem Gewölbe zusammenhängt, findet man öfters einen kleinen 
Schrank, der Feuerschrank genannt. Die Herdmauer er- 
streckt sich 2'o8 Meter nach vorne und 2*52 Meter nach 
der Seite, und nimmt somit einen bedeutenden Theil der 
Stube ein. 

Inwendig in der Stube ist eine Klappe, spjäll (Ventil), 
im Herde; um aber das Feuer zu löschen, musste man in den 
Hof gehen, wo man mittelst einer Stange, spjällstängen^ einen 
flacften Stein über die Oeffnung des Schornsteins decken 
_ konnte. Von der Mitte der Mauer geht eine Stange, gäll- 
Stangen^ nach den Seitenbalken, sidäsen. Ueber diese und 
eine entsprechende Leiste an dem linken Giebel wird zur 



46 FERDINAND KRAUSS. 



Zeit, wenn geschlachtet wird, eine Stange angebracht, worauf 
das Fleisch zum Trocknen aufgehängt wird. 

Der übrige Theil der rechten Wand der Stube wird von 
zwei wandfesten Himmelbetten, sängloft^ eingenommen. Unter 
den Betten waren in früheren Zeiten Hühner- und Gänseställe, 
und waren sodann oft in den hervortretenden Stufen Löcher 
angebracht, durch welche die Thiere das ausserhalb befind- 
liche Futter holen konnten. Zwischen den zwei Betten und 
mit ihnen verbunden ist ein Schrank, Bettschrank genannt; 
oft trifft man einen ähnlichen Schrank an der Giebelseite 
gegen die Herdmauer angebracht. Links, innerhalb der Thür, 
sind Gesimse für einfachere Gefässe, Thontöpfe und Holz- 
kübel angebracht, und vor der Mauer, nach der Seitenplanke, 
oberhalb der Stubenthür, befindet sich ein grösseres Gesims 
für kupferne und Messinggefässe. Die eisernen Töpfe und 
die Holzeimer haben ihren Platz auf dem Fussboden nahe 
der Thür. Die linke Wand wird bisweilen unten von einem 
Eckschrank eingenommen, gewöhnlich aber läuft eine Bank, 
die »Lang- oder Hochbank» genannt, der ganzen Wand 
entlang. 

Wir kommen jetzt zu dem Glanzpunkt der Stube, der 
vorderen Giebelwand. In der linken Ecke steht ein oft reich 
geschnitzter Eckschrank, worin der Hausherr seine Schätze, 
das Geld, die Silbersachen, seine Documente u. s. w. auf- 
bewahrt. Auf dem Schranke liegen gewöhnlich die Andachts- 
bücher, die Bibel, das Gebetbuch und ein Auszug aus Thomas 
a Kempis (>&äw/^= Riese), »der kleine Riese» genannt. Dem 
Giebel entlang läuft eine Bank, die »Giebelbank», galbänken. 
Die truhenartigen Bänke sind mit Klappen versehen und 
darinnen werden allerhand Hausgeräthe aufbewahrt. An 
Feiertagen werden die Bänke mit Kissen [bänkadynor und 
hynen) bedeckt, deren obere Seiten oft aus Kunstgeweben 



KEKDINANl) KRAUSS. 47 



in prachtvollen Mustern bestehen. An der rechten Seite 
der »Galbänk» steht die Uhr. Diese befindet sich in einem 
schmalen Uhrkasten, der mit Namen, Jahreszahl und Rosen 
bemalt ist. Das ZifTcrblatt ist aus Zinn und hat nur den 
Stundenzeiger. An der rechten Seite befindet sich eine 
Thür, häbbarsdarren oder krobbedörren genannt, die zu 
einem Anbaue führt. Im dreieckigen Theil des eigentlichen 
Giebels sind meist drei, von unten nach oben in der Breite 
abnehmende Gesimse angebracht, aufweichen die Zinngcfässe, 
die Schüsseln und Teller in glänzenden Reihen aufgestellt 
werden. Man trifft hier bisweilen antike Thon- oder Faycncc- 
Gefasse angebracht. Spiralförmig gewundene, messingene 
Leuchter, Bronzeschüsseln, Thonkrüge, hübsch gezierte Wein- 
flaschen, silberne Becher finden gleichfalls am bjälken ihren 
Platz. — Der grösste Silberbecher steht jedoch meist über 
der Uhr zwischen zwei anderen Bechern. 

Der Raum zwischen hdgbänken und galbänken wird von 
dem vornehmsten Tische (^stora bord, d. i. Grosstisch), der 
zumeist aus einer massiven Eschenplanke gearbeitet und 
auf vier gedrehten Füssen ruht, eingenommen. Der »Gross- 
tisch» wird nur bei feierlichen Gelegenheiten benützt. Die 
Mahlzeiten der Bewohner werden an einem kleineren Tische 
eingenommen, der seinen Platz vor der Herdmauer beim 
Bette hat. Einige Stühle aus Buchenholz mit geflochtenem 
Strohsitz, nebst mehreren Bänken gehören gleichfalls in eine 
gut eingerichtete Wohnstube. 

Was jedoch am meisten die Ausstattung einer Halland- 
stube auszeichnet, ist ihr Reichthum an weissem und buntem 
Behang. Rund um die Stube, ausgenommen an der Herd- 
mauer, läuft dem gekehlten Gesimse, dem Bandholze, dem 
untersten Gesimse des Balkens, sowie dem südlichen Seiten- 
balken, »sidäsen», entlang, das Hängekleid, hängklädet^ ein 



48 FERDINAND KRAUSS. 



breites, weisses Linnengewebe, mit blauen und rothen Rän- 
dern oder Figuren in der Form von Sanduhren, u. s. w. Die 
Betten sind mit weissen, oder blaucarrirten, oder geränderten 
Teppichen belegt. Von allen Gesimsen hängen geflochtene, 
weisse, leinene, spitzenbesetzte Streifen, drätter^ herab, alle 
nach ihrem Platze eingerichtet. Auch die Uhr hat ihre be- 
sonderen Drätter, eine an der Oberkante und eine an der 
Leiste unterhalb der Scheibe. Der Tisch hat seine lei- 
nene Decke, bordtäcket^ mit hineingewebten Figuren und 
Rändern aus gefärbtem Wollengarne. Bei feierlichen An- 
lässen kommen noch banadema oder boningema\i\ViZM\ diese 
sind mit erläuterndem Text versehen und mit Bildern aus 
der heiligen Geschichte, die auf Leinenzeug oder grobes 
Papier gemalt sind, geziert. Die Vorbilder hiezu werden 
gewöhnlich den alten Kirchengemälden entnommen. Die 
biblischen Stoffe, die mit besonderer Vorliebe behandelt 
werden, sind aus dem alten Testamente genommen, so: Noa's 
Austritt aus der Arche, Josef und seine Brüder, oder die 
Königin aus dem reichen Arabien mit dem Könige Salomon 
streitend. Aus dem neuen Testamente entnahm man oft: 
der Besuch der Weisen, der zwölfjährige Christus im Tempel 
lehrend, die Hochzeit in Cana, der verlorene Sohn, und 
Christi Leidensgeschichte. Zeit und Raum wurden dabei oft 
bunt unter einander gemengt, und nie verschmäht dabei 
der Künstler, die Trachten seiner Zeit darzustellen. Vor dem 
Jahre 1820 war von Perspective nie die Rede, deshalb sieht 
man Josefs Brüder in einer langen Reihe aufgestellt, den 
einen nach dem anderen, mit gebogenen Knien. Die Jünger 
im Olgarten über einander abgebildet u. s. w. Nach dem 
Besuche des P. Hörberg in Hailand, wo er Altarbilder in 
mehreren Kirchen malte, beobachtete man etwas mehr die 
perspectivischen Regeln, bald aber starb diese Malerschule, 



FERDINAND KRAUSS. 



49 



die so viele Heimstätten mit geschätzten Bildern geziert hatte, 
aus. Bisweilen, ob auch vereinzelt, wurden andere Motive 
als die biblischen benützt. So trifft man auch als Motiv 
den Kampf Holger des Dänen mit Burman. Diese »bonader», 
leinenen Tücher, hatten ihren Platz zwischen der Hochbank, 
»högbänken» und »bandträt», sowie zwischen »galbänken> 
und dem untersten Gesims des Balkens. Wenn Ueber- 
fluss an Behängen vorhanden war, fanden sie auch ihren 
Platz am Grewölbe. Ein schmales Tuch oder »ein Hänge- 
kleid» wurde sogar dem Seitenbalken (sidäsen) entlang an- 
gebracht. 

An geeigneten Stellen werden auch Namen und Sprüche 
angebracht. Vor den Anfangsbuchstaben der Namen werden 
immer die Buchstaben JUS angetroffen. Die gewöhnlichen 
Sprüche sind: Deo sali gloria — Homo tnemente (sie!) tnori. 
Der letztere steht auf dem Eckschranke, um den Besitzer an 
die Vergänglichkeit der Dinge zu erinnern. 

Wie oben angedeutet, kommt noch zum ursprünglichen 
Bälahause ein Nebengebäude. Öfters trifft man zwei der- 
gleichen, eines an jeder Giebelseite. Sie haben höhere 
Wände, Fenster an den Seiten, und dasjenige, in welches 
man durch die obenerwähnte »Krobbe»-Thür tritt, hatte gar 
eine Decke und Bodenraum. Dieses Nebengebäude heisst 
häbbar^ jenes, das innerhalb der Stube liegt, heisst fdrstu- 
häbbaTy d. i. Vorstuben. Im ersteren werden die Arbeits- 
geräthe, der Webestuhl, das Spinnrad u. s. w. aufbewahrt, 
im letzteren die Kisten der Leute. Es werden hier aber auch 
Betten, das eine über das andere angebracht, angetroffen. 
Im Sommer wird hier gewebt. Oben auf dem Boden finden 
die grösseren Holzgeräthe ihren Platz; dieser Raum dient 
auch als Vorrathskammer für Getreide, Fleisch u. s. w.; bis- 
weilen sind hier auch Gastbetten aufgestellt. 



50 



FERDINAND KRAUSS. 



Die Bälastube stellt ein Zimmer beim Beginne einer 
Feier dar. Die »Drätter» und Geräthe sind an ihrem Platze, 
von dem Gesimse strahlen die gescheuerten Schüsseln und 
Tassen, und nichts erinnert heute an einen Arbeitstag. — 
Die beiden Alten haben ihre Festkleider angezogen und 
scheinen liebe Verwandte zu erwarten. Der Bequemlichkeit 
wegen hat aber doch der Alte die Holzschuhe anbehalten. 
Bisweilen liest das alte Mütterchen aus einem Andachtsbuche, 
während der Alte mit seinen Rauchreqvisiten sich beschäftigt. 
Er scheint aber doch bei der Sache zu sein, denn öfters 
stellt er das Tabakschneiden ein, um über das Gelesene 
seine Meinung abzugeben. 

Sogar die Katze scheint von der feierlichen Stimmung 
berührt zu sein, sie streicht sich schnurrend nach alter Ge- 
wohnheit an der Alten, so leicht aber, dass es scheint, mehr 
um ihre Gedanken zu schärfen, als dieselben auf sich zu 
ziehen. 

Frau Emilie Grundberg, geborne Lindberg, in Getinge, 
hat mit warmem Interesse für die Sache, und mit grosser 
Aufopferung an Zeit und Arbeit, den grössten Theil der vor- 
gelegten Hausgeräthe angeschafft, wie auch die Kleidungs- 
stücke beigestellt. Das Meiste rührt von verschiedenen Kirch- 
spielen in Halmstad und Arstad her. Die Figuren sind von 
C. A. Söderman modellirt. Das Zimmer wurde in der Pariser 
Ausstellung 1878 aufgestellt, und zog die wohlverdiente Auf- 
merksamkeit auf sich. Die sozusagen »wandfeste» Ordnung 
giebt dem Zimmer selbst alltäglich ein würdiges Ansehen, 
und die vielbeschäftigten Insassen fühlen sich durch die Zier- 
lichkeit der Stubenausschmückung keineswegs gestört. 



FERDINAND KRAUSS. $1 



Die Häslöf Stube in Schonen.' 

Während uns die Saga-Literatur über die norwegischen 
und isländischen Bauernhöfe, und die Lebensweise ihrer Be- 
wohner am Ausgange der heidnischen Zeit ein überraschend 
treues Bild giebt, fehlen uns alle sicheren Mittheilungen über 
die Bauart der schwedischen Höfe zu dieser Zeit; es ist je- 
doch mit grösster Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass sie 
der norwegischen Bauweise sehr ähnlich war, und dürfte 
somit das fensterlose Blockhaus mit der Ljore einst beiden 
Nachbarländern gemeinsam gewesen sein. Aber bald mussten 
die verschiedenen Boden- und Terrainverhältnisse eine Ver- 
schiedenartigkeit der Bauweise der Gehöfte in beiden Ländern 
hervorrufen. Zwang im felsigen Norwegen das Terrain den 
Bauer sein Gehöft mehr in die Höhe als in die Länge zu 
bauen, so konnte im schwedischen Flachland der Hof mit 
seinen Wirthschaftsräumen sich dehnen und strecken, so viel 
er nur wollte. 

Dazu war der ebene, wenn auch oft sumpfige Boden in 
Schweden dem Ackerbau viel günstiger, wie im steinreichen 
Norwegen, und so waren alle Vorbedingungen vorhanden, 
um allmählich stattliche Bauerngehöfte mit allen zum Be- 
triebe einer grossen Wirtschaft nothwendigen Nebenräumen 
erstehen zu lassen, und wir werden in dem Häslöfhof in 
Schonen, welchen wir näher beschreiben werden, sehen, 
welchen Einfluss oft die solide Wohlhabenheit der Hof- 



' Vgl. A. Hazelius: Siuga i Häslö/s socken i Skäne^ in Ur de Nor- 
diska folkens lif, Skildringar, utgifna af A. Hazelius. I, Stockholm 1882. 
S. 31 u. f. — Dieser Arbeit ist die hier mitgetheiltc Beschreibung entnommen. 



53 FERDINAND KRAUSS. 

besitzet auf die Ausstattung der Wohnstätte und auf die 
Ausdehnung der Wirtschaftsräume übte. 

Die sogenannte Hästdfstuga (richtiger der Bauernhof aus 
dem Häslöf-Kirchspiele in Schonen) wurde im Jahre 1622 
bezw. 1623, welche Jahreszahlen nicht nur an den Thür- 
stöcken eingeschnitten sind, sondern auch in den Glasgemäl- 
den der Stuben angebracht erscheinen, erbaut. Der Hof 
bildet ein zwar nicht vollkommen regelmässiges, aber durch- 



31. Die Häslöfslube in Schonen, Schweden. 

aus geschlossenes Viereck. Eine Seite des Viereckes nahm 
das eigentliche Wohnhaus ein, während die übrigen drei 
Seiten durch die Stallungen und Wirtschaftsräume abge- 
schlossen waren. Folgen wir zunächst dem Plane der Wohn- 
stuben, so finden wir zunächst die Hausflur {Ä\ von welcher 
die Treppe (U) auf den Boden führte. Unter der Treppe 
war der Sandbehälter angebracht; er fehlt in keinem Hofe, 
da es allgemein üblich ist, die Wohnstuben mit Sand zu be- 
streuen. 

Von der Hausthür führt rechts eine Thür in die eigent- 
liche Hausstube {B\ in welcher wir wieder finden das kästen- 



FERDINAND KRAUSS. 



53 



artige Himmelbett [himlinjesänj^ c\ die Wanduhr [d) in ho- 
hem, schmalem Uhrkasten, den eisernen Ofen [e\ meist mit 
biblischen Scenen verziert, neben dem Ofen den Lehnstuhl 




32. Situationsplaa der Häslöfstube. 

des Bauern und der Bäuerin (/), weiter die Bank, oder den 
Hochsitz, resp. Vorsitz des Hausvaters (^), den Eckschrank 
(Ä) und die lange Tischbank (j); vor dieser Bank steht der 
grosse Tisch [j) und in der Ecke die Thürbank [k). 



54 FERDINAND KRAUSS. 



Die Stube war ringsum mit zweierlei Holz vertäfelt, und 
es zeigten die Füllungen der Wandvertäfelung eine sehr 
hübsche, geschnitzte Verzierung im Renaissance-Stile. Eine 
zweite Thür führte von der Vorstube oder der Hausflur in 
den grossen, völlig leeren Saal, oder die Sommerstube {Q, 
von hier führte wieder eine Thür rechts in das milkjhus 
{P\ oder mahus^ in die Milchkammer, oder in die Kammer, 
wo man die Speisen verwahrt. 

Von der Hausstube führte rechts eine Thür in die Stube 
(-£) mit dem eisernen Ofen (/). 

Von der Wohnstube führte aber auch eine zweite Thür 
rechts in die Küche (/«), wo man die Speisen kochte, zum 
Unterschiede von der »unteren Küche» {F\ die »obere Küche» 
genannt. In der grossen Küche [F) vereinigte sich die Brau-, 
Wasch- und Backküche, sowie die Branntweinbrennerei, welch 
letztere nicht mehr benützt werden dürfen. Wir finden hier 
den eingemauerten Kessel [p\ den grossen Backofen (/) mit 
dem Schornstein [q\ und den Herd (r), weiter den Abspül- 
tisch (j), und darüber das Geschirrbrett. In dieser Küche 
standen auch die Betten der Mägde. Vor dem Hause lag 
noch der Scheuerstein (^), ein gewöhnlicher grauer Stein, 
auf welchem die hölzernen Teller abgerieben wurden. 

Von der Küche {F) gelangt man in das Kühlhaus [G) 
mit der Malzdarre (z;) und der Handmühle {x\ 

Links von der Sommerstube lag die Salzkammer (//), 
von welcher die Thür [y) in den Hof führte; in einem 
Balken ober dieser Thüre war die Jahreszahl 1622 einge- 
schnitten. 

Von der Sommerstube gelangte man auch in die Kam- 
mer (/), in welcher die Truhen mit dem Bettzeug {z) auf- 
bewahrt wurden; an diesen Raum grenzte eine Art Rumpel- 
kammer (y), wo auch die Kisten verwahrt wurden. . Weiter 




56 



FERDINAND KRAUSS. 



sehen wir die Rüst- oder Pferdegeschirrkammer {K) und zu- 
letzt, ziemlich weit von der Mägdekammer entfernt, die 
Knechtekammer {L) mit den Betten (i). 

Mit der Knechtekammer schloss das Wohnhaus ab ; zwar 
nicht unmittelbar, so doch nahe daran, schloss sich der Stall 
für die zur Mast bestimmten Schweine {M) und der Gänse- 
stall {N). Hierauf folgte eine in den Hof führende Pforte 
{0). Daran schloss sich die »östliche Tenne» {P) mit der 
Hundshütte [ä) und weiter die »östliche Dreschtenne» (0 
und der Gemüseraum {R) mit dem Kartoffelkeller (Ö), sowie 
die Futterdreschtenne (5). 

An der Ecke lagen die Stallungen für die Kühe und 
Pferde (7^, hinter den Stallungen, von welchen eine Thür 
{{f) zum Weideplatz, und eine zweite Thür {e') in den Haus- 
hof führte, lief ein Gang, in welchem der Mist mit der Gabel 
gesammelt wurde. In diesem Stallungscomplex finden wir 
auch den Schweinestall (£/). Zunächst folgt die nördliche 
Tenne ( F), und die nördliche Dreschtenne (Jf), daran schliesst 
sich abermals ein Complex von Kuh- und Pferdestallungen 
mit Futterkasten und Düngerkammer. 

Weiter folgen der Schafstall (Z), das Kälberhaus {A\ 
die Futterscheune {Ä)^ der Heustall (ö), die Torfkammer [A') 
und die Holzkammer (5'). Hieran schloss sich die härbärge 
oder Gaststube [C\ der Hühnerstall und das Hühnerhaus 
{U) und eine zweite Holzkammer (£"'). 

Es folgt das Einfahrtsthor [F'\ welches die Wirtschafts- 
räume von den schon genannten Wohnräumen trennt. 

Ausserdem finden wir noch bezeichnet C, den Hof mit 
dem südlichen Ausgang k und /'. Bei ni stand ein alter ^ 
Ulmenbaum. 

Hinter dem Wohnhause lag der Obstgarten H' mit dem 
Brunnen {o'\ von welchen ein Weg («') zur Küche {F) führte. 



FERtllNANIt KK. 



Östlich tangirt den Besitz 
der Dorfweg (/'), zu welchem 
der Hofweg {?') führt Weiter 
sehen wir das freistehende Ge- 
bäude K" und Z', welches als 
Geräthcschuppcn und Pferde- 
stall für die Zucirtstuten dient. 
Nördlich daran stösst der Senf- 
garten (M'), den jeder Hof be- 
sitzt. Dieser Garten wird tan- 
girt durch den zum Weideplätze 
{(7) führenden Weg (IV). In 
der Ecke des Weideplatzes hin- 
ter den Stallungen lag der Dün- 
gerhaufen und ein Brunnen. 

Waren somit auch dieWohn- 
räume ziemlich beschränkt, so 
waren jedoch andererseits die 
Wirtschaftsräume so gut einge- 
theilt und für jeden Bedarf so 
vorsorglich angelegt, dass wir 
überall den Eindruck einer auf 
langererbtem Besitz basirten 
Wohlhabenheit, sowie eines ra- 
tionellen Wirtschaftsbetriebes 
gewinnen. 

Betrachten wir die Wohn- 
stuben näher, so staunen wir ge- 
wiss über die kunstvolle Aus- 
schmückung derselben, und wir 
sehen auch hier ein Beispiel füi 
europäischen Culturländer den 



die Behauptung, dass alle 
vechsclndon Stilrichtungcn 



FERDINAND 



ausnahmslos, vom Königspalaste bis zur Bauernstube, unter- 
worfen sind, ein Kinfluss, der im 17. Jahrhundert, trotz aller 
Verkehrshindernisse, sich mit gleich eiserner Consequenz 
fühlbar machte bis nach dem fernen Skandinavien, wie heute 
die moderne Cultur alles langererbte, volksthümhche uner- 
bittlich nivcllirt Die Wohnstuben waren beinahe durchwegs 



36. Gemalle Glasscheibe aus der Häslöfslube. Vj n. Gr. 

vertäfelt, und zwar war die schön profilirte Vertäfelung durch 
einfache Pilaster oder Halbsäulen in Felder getheilt, aber an 
den Thürportalen waren beiderseits sehr originell und kunst- 
voll componirte und geschnitzte Pilaster, welche oben in 
Karyatiden, unten in übereinander gelegten Schellen, ein be- 
liebtes Renaissance-Motiv, endigten, angebracht, welche sich, 
wie auch die schönen Glasgemälde dieser Stuben, jetzt durch- 
wegs im Nordischen Museum in Stockholm befinden. 



so 



Die erwähnten, runden, gemalten Glasscheiben ztitjen 
die Jahreszahl 1623, überdies die eine derselben eine Kraucn- 
gestalt, die einem Reitersmann einen Pokal reicht, die andere 
einen geflügelten Engel, der ein Wappenschild mit dem öo- 
tnärke, dem Hauszeichen des Besitzers Areld Niclsim /ciyt. 
Diese Hauszeichen (oft eine Art Monogramm), an die vcr- 



37. Gemalte Glasscheibe nus der lläslürslube. '/i "■ C^r- 

schiedenen Besitzer erinnernd, finden sich noch mehrfach auf 
den stets von Engeln gehaltenen Wappenschildern vor inid 
liefern eine Art Stammbaum der Hofbesitzer. 



Im Ganzen gewinnen wir in dem Nordischen Museum 
in Stockholm ein so vollkommenes Bild von dem Volks- 
leben und den Hausindustrien der nordischen Länder wie 



6o FERDINAND KRAUS5. 

nirgendswo; ein wiederholter Besuch dieser eigenartigen 
Sammlungen nützt mehr als manche tagelange Fahrt durch 
diese Lande, und daher möge auch der eiligste Reisende 
schon der schönen Da) ekarlie rinnen wegen nicht versäumen, 
dieses Museum ohne Gleichen aufzusuchen. Den Custoden 
aller unserer Museen rufen wir aber aus innigster Ueber- 
zcugung zu: Gehet hin und thuef desgleichen, greifet in das 
volle Volksleben. 



Der internationale archäologische und anthropologische Congress 
in Stockholm dcta 7. bis 16. August 1874. Von J. Mestorf. Ham- 
burg 1874. s. 70—73- 



\ 




iusser dem Nationalmuscum, welches neben der ar- 
chäologischen Abtheilung noch andere wissenschaft- 
liche und Kunstsammlungen unter einem Dache vereinigt, be- 
sitzt die schwedische Hauptstadt noch ein Museum eigenster 
Art, ein wahres kleines bijou, die Schöpfung eines Mannes: 
ein Schwedisch-ethnographisches Museum. Nach unendlichen 
Mühen, manchen fehlgeschlagenen HoiTnungcn, pecuniairen 
Opfern, und rastloser Arbeit, hat der Schöpfer desselben, 
Herr Dr. Hazelius, nun die Befriedigung das vor wenigen 
Jahren erst in seinen Anfängen begriffene Institut jetzt schon 
zu einer Bedeutung gelangt zu sehen, welche ihm die beste 
Hoffnung giebt, sein Ideal binnen kurzem aufs herrlichste 
realisirt zu wissen. Während der Archäologe aus den Grä- 
bern längst vergessener Geschlechter, aus Erde, Gewässern 
und Mooren das Material hervorholt, aus dem er ein Cultur- 
bild der Vergangenheit aufzubauen sucht, dringt Dr. Haze- 
lius, das Terrain von Schonen bis Lappmarken absuchend, 
in die entlegenste Bauernhütte um das original-volksthümliche 
Material zu retten, welches die alle Abstände, örtliche wie 
sociale, ebnende Gegegenwart mit rascher Hand zu vertilgen 
sucht. Noch findet man unter der Landbevölkerung neben 
uralten Sitten, Gebräuchen und Anschauungen einen Schatz 
nach uralten Mustern angefertigten Hausgeräthes: Möbel, ir- 
denes Geschirr, Webstuhl und Gewebe, Küchen- und Acker- 
geräth, Schmuck, Holzschnitzereien u. s. w. Dieses alles 






64 



JOHANNE MESTORF. 



sammelt Dr. Hazelius um es für jetzt und künftig zu be- 
wahren und neben den rein erhaltenen uralten Formen, die 
Einwirkung neuerer Moden auf die älteren Typen zu stu- 
diren: eine illustrirte Geschichte der nationalen Industrie, 
nicht in Bildern, sondern in Originalen. Ist nun das in 
Schränken und Glaskasten geordnete und an den Wänden 
hängende Material an und für sich schon von höchstem In- 
teresse und werth mit Fleiss studirt zu werden, so ist es doch 
hauptsächlich die originelle Anordnung, welche das Auge 
besticht und einen unvergesslichen Eindruck macht. 

In den langen Sälen nimmt die eine Lang- und zugleich 
Fensterseite die eigentliche Sammlung ein, in topographischer 
Ordnung, so dass die einzelnen Provinzen sich an einander 
schliessen. Die gegenüber liegende Langseite ist in Zim- 
merchen abgetheilt, welche sämmtlich in dem Stil der gegen- 
über in Schränken und Kasten zur Anschauung gebrachten 
Provinz möblirt sind, und zwar mit den Originalen die aus 
einer uppländischen, södermanländischen etc. Bauernstube ge- 
holt sind. Da finden wir den Herd, entweder sauber gefegt 
oder mit dem blanken Kessel am Kesselhaken über dem Feuer 
hängend und mit Töpfen und Pfannen besetzt; Schränke mit 
dem Ess- und Trinkgeschirr, Tische, Bänke, Stühle, Bett, 
Spinnrad, Wand- und Deckenmalereien und obendrein den 
Bewohner in sauberer frischer Nationaltracht und nicht etwa 
im Müssiggang die Fremden anstarrend, sondern in rühriger 
Geschäftigkeit. Hier schiebt eine in der Bibel lesende Alte 
die Brille auf die Stirn um den eintretenden Fremden zu be- 
grüssen, dessen streitsüchtigem unangenehmen Gesichte man 
anmerkt, dass er nichts gutes bringt, — während die am 
Herde beschäftigte Tochter sich ins Zimmer wendet und 
ängstlich auf den bekannten Dorfzänker und die Mutter blickt; 
dort sieht man den heimgekehrten Hausvater an dem ge- 



JOHANNE MESTORP. 6$ 



deckten Tisch sitzen und des Mahles harrend, welches die 
am Herde stehende schmucke Frau im Begriff ist, ihm auf- 
zutischen; dort hat ein Kindchen sich nach einer Holzbank 
hingekrabbelt, unter welcher — wir sind in Schonen — eine 
Gans den Kopf hervorstreckt. Alle Altersstufen sind ver- 
treten und so lebenstreu sind die lebensgrossen Figuren, dass 
man vergisst, dass sie nicht von Fleisch und Blut sind und 
sich versucht iiihlt sie anzureden. Zwei dieser scenischen 
Darstellungen sind unter freien Himmel verlegt, die eine zeigt 
ein dem Hirtenleben entlehntes Idyll zwischen grünen Bergen, 
die andere führt nach den Lappmarken. Der wohlbepelzte 
Hausvater sitzt in seinem mit einem Rennthiere bespannten 
Schlitten und fahrt von dannen. Neben dem Trocknengerüst 
hockt auf einem Baumstamm ein älteres Lappenpaar. In dem 
Zelte sieht man die Lappin ihr Kindchen in Schlaf lullen. 
Über dem Feuer hängt der Kessel, hinter dem Herde ge- 
wahrt man die Steinkreise, welche den heiligen Ort begrenzen, 
den die Frauen nicht betreten dürfen. Das lebensvolle Bild 
wird vervollständigt durch einen vor dem Trocknengerüst 
liegenden lebendigen Hund, welcher auf dem Namen Sickis 

hört. 

Der Eindruck, den man aus diesem originellen Institut 
mit fortnimmt, ist ein bleibender. Man hat gleichsam in we- 
nigen Stunden ganz Schweden bereist, hat bei allen Leuten 
eingesprochen, mit ihnen verkehrt und einen Einblick in ihre 
Häuslichkeit, in ihr Familienleben gethan. Es wurde mir 
gestattet, eines dieser etwa V2 Meter über den Fussboden 
liegenden Stübchen zu betreten um die feine Hohlnähterei 
und die originellen Stickereien an den schneeweissen Bett- 
überzügen zu Studiren, und die Einzelheiten der Kleidungs- 
stücke einer am Herde stehenden Frau zu mustern. Also 

in der Weise befestigte man diese Fibeln an die Hemdkrause; 

8 



66 JOHANNE ME5TORF. 

also dort sassen diese Knöpfe, jene Spangen. Jenes kamm- 
ähnliche Geräth hängt also am Webstuhl und dient nicht 
zum Strehlen der Haare! So also befestigte man die Wand- 
teppiche, deren die isländischen Sagen erwähnen — ein alt- 
l>ermanischer Festbrauch! — Dort sah man in einem Stüb- 
chen in Helsingland eine 1847 ausgeführte Wandmalerei, 
welche in wunderlich stilisirten Figuren darstellt >wie Titus 
sich aufmacht und gen Jerusalem zieht>. — Wohin man blickt: 
ein origineller Schmuck, ein prachtisches Geräth, ein unver- 
hoffter Aufschluss über die Nutzanwendung dieses oder jenes 
Gegenstandes. Ein vollständiges, wenig modernisirtes Bild 

altgermanischen Haus- und Familienlebens! 

Was die Schweden anfassen, das behandeln sie gründ- 
lich, was sie ausfuhren, zeugt von practischem Blick, gebil- 
detem Geschmack und geschickter Hand. Rasch und rüstig 
gehen sie vor auf den verschiedensten Gebieten, zum Nach- 
eifern mahnend. 



Das Nordische Museum, Von F. Liebrecht. Germania, Jahr- 
gang XX. H. III. Wien 1887. Nach einer Aufsatz Nordiska 
Museet i Stockholm von R. Mejborc; in Berlingske Tidende. Kjo'ben- 
havn 1886. Nr 239. 



L 




ächst dem Stockholmer und Kristianborger Schloss 
soll das Gebäude des Nordischen Museums das 
grösste im Norden werden, und man strebt eifrig danach, 
dass es nicht bloss durch seine Grösse, sondern auch durch 
seine Decorirung imponirend wirke. Ganz besonders soll die 
Hauptfagade desselben ein so monumentales Gepräge wie 
möglich erhalten. Sie soll aus Granit, Sandstein und rothem 
Mauerstein aufgeführt und mit einem grossartigen Fries aus 
Steinmalerei geschmückt werden, wo polychrome Figuren 
in übernatürlicher Grösse die Eigcnthümlichkeit der Samm- 
lung charakterisiren sollen. 

Die Hauptflügel werden durch zwei Seitengebäude und 
eine Zwischenpartie verbunden, und eine prachtvolle Vor- 
halle [vestibul) soll die Mitte des vordersten Hauptflügels 
einnehmen; sie soll mit polirten Marmorpfeilern geschmückt 
sein, deren Werth sich auf 200,000 Kronen beläuft und die 
von dem Könige von Schweden und der Kronprinzessin 
von Dänemark geschenkt sind. Von der Vorhalle tritt man 
in einen grossen Wafiensaal, der in dem Mittelgebäude be- 
legen ist und für die pompösen Haupttreppen den Ausgangs- 
punkt bildet, welche Treppen die verschiedenen Stockwerke 
mit einander vereinen. Von dem Waff'ensaal führt ein ge- 
waltiges Portal in eine Halle, welche den Hinterflügel auf- 
nimmt und eins von den grössten Localen bilden soll, die 
man irgendwo für weltliche Gegenstände findet. Diese Halle 



70 



FELIX LIEP.RECHT UND REJNHOLD MEJBORG. 



soll eben so hoch werden wie die Roeskilder Domkirche 
und ein halbmal breiter, sowie doppelt so lang (d. h. 580 
Fuss lang und 120 Fuss breit). Dieser grosse Raum erhält 
sein Licht durch ein kolossales Glasdach, sowie durch ge- 
waltige Fenster in den hohen Giebeln. Am Abend soll das 
Local mit elektrischem Lichte erleuchtet, und die enorme 
Bodenfläche mit Wasserkünsten und Blumengruppen ge- 
schmückt werden. Ein Balkon wird vielleicht die Restaura- 
tion bilden, sowie ein anderer das Orchester bei feierlichen 
Gelegenheiten enthalten. 

In dieser Halle werden ungefähr 100 Aussen- und Innen- 
baue (exteriörer und interiörer) eingerichtet, welche Bilder 
nach der Natur und dem Volksleben in den skandinavischen 
Reichen sowie Finnland und Sudjutland wiedergeben sollen. 
Sonst werden daselbst Gegenstände aufgestellt, welche aus 
dem Bauernleben herstammen. Alles dieses wird in drei 
Stockwerken mit Halbgeschossen in Galerien, welche längs 
den Seitenwänden hinlaufen, aufgestellt. Das unterste Stock- 
werk soll vorzugsweise die schwedischen Verhältnisse, das 
mittelste die norwegischen und das oberste die dänischen 
und finnischen erklären. Der Hauptraum und die Galerien 
enthalten eine Bodenoberfläche von ungefähr 250,000 Qua- 
dratfuss. Die Aussenbaue (exteriörererna) erhalten eine Tiefe 
von 36 Fuss und machen es daher möglich, die gemalten 
Hintergrunddecorationen mit den aufgestellten Gegenständen 
auf eine solche Weise zu verschmelzen, dass der Übergang 
von der Plastik zur Malerei für das Auge des Zuschauers 
nicht bemerkbar wird. Sowohl die Aussen- wie die Innen- 
baue werden nach Skizzen berühmter nordischer Künstler 
ausgeführt. 

Die beiden Ausstellungssäle, welche nächstdem für die 
grössten gehalten werden, liegen im Vorhause, jeder auf einer 




FELIX LI ERRECHT UND REJNHOLD MEJBORO. 71 



Seite der Vorhalle (vestibulen). Sie werden ungefähr 170 
Fuss lang, 60 Fuss breit und 40 Fuss hoch. Sie werden 
durch Pfeilerreihen abgetheilt und längs den Fensterwänden 
mit offenen Kabinetten eingerichtet. In dem einen von die- 
sen Sälen soll die Mitte des Fussbodens für die grösseren 
von den Denkmälern der Vorzeit Raum lassen. In den Ka- 
binetten werden kleinere Gegenstände aufgestellt, die für 
comparative archäologische Studien passen. Ausserdem soll 
hier noch eine Reihe von grossartigen Malereien angebracht 
werden, welche die interessantesten Denkmäler des Nordens 
darstellen, wie Gruppen von Bautasteinen, Runensteinen, 
Felsenbilder (källristningar)^ Riesenstuben, Gcschlechtsgrab- 
hügel u. s. w. Der andere Saal soll kirchliche Gegenstände 
enthalten. 

In dem anderen Stockwerk des Vorhauses werden sechzig 
grössere und kleinere Interiöre eingerichtet, welche des Bür- 
gerstandes, Priesterstandes und des Adels Lebensverhältnisse 
im Laufe der letzten 350 Jahre beleuchten sollen, und man 
hegt gegründete Hoffnung, dass reiche Familien in den drei 
nordischen Ländern diese Interiöre ausstatten werden. Geht 
diese Hoffnung in Erfüllung, so sollen Marmortafeln über 
einem jeden dieser Innenbaue die Namen der Geber der Nach- 
welt überliefern. In demselben Stockwerke werden überdies 
eine grössere Anzahl Locale zur Aufstellung industrieller 
Gegenstände nach dem Material geordnet eingerichtet werden. 

Das oberste Stockwerk nimmt die historische Abtheilung 
des Museums ein. In ganzen Reihen von Sälen, welche von 
Oberlicht beleuchtet sind, sollen kolossale Gemälde mit Fi- 
guren von Körpergrösse angebracht werden und solche Ereig- 
nisse der inneren und äusseren Geschichte darstellen, welche 
geeignet scheinen über die Vorzeit Glanz zu verbreiten. Auch 
sollen hier Statuen von Schwedens Helden aus Bronze und 



72 



FELIX LIEBRECHT UNI) REJNHOLD MEJBORG. 



Marmor aufgestellt werden. In Kabinetten zur Seite dieser 
Säle werden Erinnerungen anderer geistvoller und ausgezeich- 
neter Männer aufbewahrt, welche durch ihre Wirksamkeit die 
Ehre des Nordens befördert haben. 

Der eine Seitenflügel enthält Locale für die Bibliothek, 
für Sammlungen von Stichen und Platten, für Copirungszim- 
mer, Lese- und Vorlesungssäle, sowie für Comptoir und Ar- 
beitsräume. Der andere Flügel, der besonders für die zu- 
künftige Erweiterung des Museums bestimmt ist, soll wo- 
möglich in der Zwischenzeit als Ausstellungssaal für Kunst 
und Kunstindustrie eingerichtet werden. 

Auf den inneren Höfen werden Gebäude in gleicher 
Höhe mit den Kellergeschossen aufgeführt und mit Glas- 
dächern gedeckt. Hier werden alle die Gegenstände aufge- 
stellt, welche das Handwerks wesen, sowie Brand- und Straf- 
geräthschaften betreffen. Einige kleine Gänge und Seiten- 
treppen, in den dicken Mauern des Hauptgebäudes ange- 
bracht, fuhren zu den unterirdischen Bauwerken (interiörer), 
welche Copien von schwedischen und dänischen Burgverlies- 
sen abgeben. 

* * 



Obige gedrängte Beschreibung giebt natürlich bloss die 
Hauptzüge der Einrichtung des Museumsgebäudes. Es soll 
im Ganzen 20 Säle und mehr als 300 andere Locale ent- 
halten. Die sämmtliche Bodenfläche macht mehr als eine 
halbe Million Quadratfuss, und die zur Aufstellung verwend- 
baren Wandflächen gewähren mehr als 250,000 Quadratfuss. 
Eine Wanderung durch sämmtliche Säle und Räume stellt 
eine Wegelänge dar von ungefähr 15,000 Fuss. 

Schon im Februar 1883 erging eine Aufforderung zur 
Einsendung von Preisentwürfen für das Museumsgebäude. Im 



FELIX LIEBRECHT UNI) REJNHOLD MEJBORG. 73 

Laufe des folgenden halben Jahres liefen von fünfzehn in- 
und ausländischen Architekten Zeichnungen und Kostenan- 
schläge ein, und bei der Preisentscheidung wurden die drei 
ersten Preise den Herren V. Manchot in Mannheim, H. Mah- 
renholz in Berlin und B. Schmitz in Düsseldorf zuerkannt. 
Der in Preussen angestellte und mit der Aufführung des 
Reichstagsgebäudes beschäftigte schwedische Architekt E. 
Strokirk sandte seine Zeichnungen stracks nach dem Schlüsse 
der Preisbewerbung ein, nebst dem Anerbieten, ohne Ersatz 
neue Vorschläge mit Hinsicht auf die Forderungen, welche 
der Museumsvorstand aufstellen möchte, nachdem er den ein- 
gesandten Vorschlag geprüft, auszuarbeiten. Eine sorgfaltige 
Prüfung hat auch stattgefunden und mit grosser Fürsorge hat 
man Bestimmungen hinsichtlich der mannigfachen Serien, 
welche die reiche Sammlung ausmachen, getroffen und detaillirte 
Pläne ausgearbeitet. Sobald man damit zu Stande gekommen, 
wird es auch nicht lange zögern, ehe die definitiven Pläne 
festgestellt und die Bauarbeiten begonnen werden können. 
Nach dem Kostenanschlage soll das Museumsgebäude 
sich auf drei Millionen Kronen belaufen, und es müssen also 
zur Ausführung des Planes nicht unbedeutende Opfer ge- 
bracht werden. Wir zweifeln jedoch nicht, dass das schwe- 
dische Volk dieselben bringen wird; denn das nationale 
Selbstgefühl und die warme Vaterlandsliebe, die Hoch und 
Niedrig dabei an den Tag legt, leisten dafür sichere Bürg- 
schaft. Charakteristisch ist in dieser Beziehung eine Äusse- 
rung, welche vor einigen Jahren einem Fremden gegenüber 
gemacht wurde, der hinsichtlich eines grösseren gemein- 
schaftlichen Unternehmens einige Bedenklichkeiten geltend 
machen wollte; ein Bauer aus Schonen gab ihm nämlich die 
stolze Antwort: »Schweden besitzt stets die Mittel zu dem, 

was Schwedens Ehre fordert!» 

9 



74 



FELIX LIEBRECHT UND REJNHOLD MEJBORG. 



Nicht minder bezeichnend ist ein kleiner Zug aus Lus- 
torp in Mailand. Dort wohnt ein vermögender Mann in 
einem altmodischen Dachbalkenhause [ryggässiuga\ dem ein- 
zigen in jener Gegend. Ein amerikanischer Spekulant bekam 
nämlich Lust, diesen eigenthümlichen Bau anzukaufen, um 
ihn dann in Newyork auszustellen, und bot dafür reichliche 
Bezahlung. Aber es wur.de nichts aus dem Geschäfte, denn 
der Besitzer wies das Angebot zurück mit den Worten: »Hat 
das Haus [stuga) wirklich so viel Werth, so mag es nur 
immer in Schweden bleiben.» 

So behauptet das schwedische Volk Schwedens Ehre in 
Wort und That! 



Was das Nordische Museum betrifft, so erhellt es deut- 
Uch, dass es schon jetzt nicht bloss dem Namen nach Volks- 
eigenthum ist, sondern dass das Volk es als einen grossen 
gemeinsamen Besitz betrachtet. Dort bewahren junge Män- 
ner die Preise, welche sie durch ihre Geisteswerke im In- 
und Auslande erworben haben, und dort bewahren Hohe 
und Niedrige viele von ihren liebsten Erbstücken. Nicht 
bloss von Schweden, sondern auch von Norwegen und Däne- 
mark treffen mannigfache Geschenke ein; so auch von Künst- 
lern Gemälde und Statuen zur Ausschmückung des neuen 
Museums. Fabrikanten zeichnen für Materialien, Handwerker 
für Arbeit und beispielsweise kann man anführen, dass der 
Besitzer einer Ziegelei sich verpflichtet hat, für 3,000 Kronen 
Ziegel zu liefern, und einer von den geschicktesten Decora- 
tionsmalern sich erboten, Decorationsarbeiten für 2,000 Kro- 
nen auszuführen. 

Die Geldmittel, die gegenwärtig zur Verfügung des Bau- 
fonds stehen, sind allerdings vergleichungsweise noclr unbe- 
deutend; sie belaufen sich zur Zeit nur erst auf 350,000 Kro- 



FELIX LIEBRECHT UND REJNHOLD MEJBORG. 



75 



nen. Jedoch wohl zu merken, diese sind in kleineren Sum- 
men zusammengekommen und grösstentheils Gaben des Vol- 
kes, welches über keine Geldmittel verfügt. Bedenkt man 
hierbei, was die reichen Leute Schwedens bei anderen Gele- 
genheiten für ihr Vaterland geopfert haben, so kann man fest 
überzeugt sein, dass reiche Beiträge herbeiströmen werden, 
sobald es sich darum handeln wird, die eigentliche Bau- 
arbeit zu beginnen. 



* 



In dem Programm zu dem Nordischen Museum heisst es, 
»dass es eine Heimstätte für die Erinnerungen aus der nor- 
dischen Völker und zunächst aus des schwedischen Volkes 
Leben sein soll». Die Sammlung zeigt, das der Stifter, Dr. A. 
Hazelius, dieses Programm bis zu den äussersten Consequen- 
zen durchzuführen beabsichtigt, und die Aufgabe, die er sich 
gestellt hat, ist so umfangreich, dass man sehr wohl begreift, 
wie anfänglich nicht wenige daran gezweifelt haben, dass der 
Plan durchgeführt werden könne. Die Entwicklung des Mu- 
seums ist inzwischen von Jahr zu Jahr fortgeschritten, und im 
Kampfe für den Fortschritt hat Hazelius* Eifer zugenommen, 
so dass er mit stets wachsender Liebe für die gestellte Auf- 
gabe von Sieg zu Sieg gekommen ist. Jede dieser Siege hat 
frühere Gegner in Freunde verwandelt, und das Interesse für die 
Idee hat sich vom Norden aus über fremde Länder verbreitet, 
ja über andere Welttheile erstreckt, so dass die Zukunft des 
Museums als für völlig gesichert betrachtet werden kann. 

Der bekannteste Theil der Sammlung sind die Aus- 
sen- und Innenbaue mit ihren plastischen Figuren in Na- 
tionaltrachten. Es ist dffe Abtheilung, welche Anlass zur 
Gründung ähnlicher Abtheilungen in Frankreich, Holland, 



76 FELIX LIEBRECHT UND REJNHOLD MEJBORG. 

Dänemark und Finnland gegeben hat Es war die, welche 
auf der Weltausstellung in Paris eine solche Aufmerk- 
samkeit erweckte, das alltäglich 10 — 15,000 Menschen sich 
am Eingange der schwedichen Abtheilung drängten und alle 
grösseren Zeitungen sie zugleich in ausführlichen Artikeln 
beschrieben; so z. B. bemerkte die »Gazette de France* vom 
10. August 1878: »Hätte Frankreich ein solches Museum, so 
würde ein einziger Besuch zur Kenntniss der Geschichte der 
Sitten und Trachten mehr beitragen als jahrelange Studien 
in dicken Schmökern.» 

Wenn man vor diesen stimmungsvollen Scenen steht, 
wo alle Einzelheiten der Räumlichkeit und in den Trachten 
mit grösster Genauigkeit wiedergegeben sind, so versteht 
man, dass Dr. Hazelius seine Sammlungen nach demselben 
Principe ordnet, wie der Stifter unseres anthropologischen 
Museums, Professor Ibsen, es in seinem Wahlspruche aus- 
gesprochen hat: »Schön soll es sein, denn dann lockt es uns; 
richtig soll es sein, dann lernen wir etwas dadurch.» — ^ Das 
eine besonders grosse Verdienst bei Dr. Hazelius' Aufstellungen 
ist, dass das feine Gefühl für das Wahre, welches untrennbar 
ist von allem wirklichen Interesse, stets in die Augen fällt, und 
dass in Folge davon sich in der Sammlung kein einziger 
Punkt findet, wo man von Effectsucherei durch Mittel, gegen 
die man von einem wissenschaftlichen Standpunkte irgend 
welche Bemerkungen machen kann, sprechen darf. Das an- 
dere Hauptverdienst ist der Schönheitssinn, der das unmit- 
telbar Fesselnde bei den Gruppen hervorgerufen hat. Diese 
Wirkung ist zum grossen Theile die Frucht der Mitarbeit 
Anderer. Das warme Gefühl des Begründers hat nämlich 
in weiten Kreisen entsprechende Gefühle geweckt und ihm 
in allen Gesellschaftsstufen Mithelfer geschaffen. Insbesondere 
hat Dr. Hazelius es verstanden, die Künstler anzusprechen; 



FELIX LIEBRECHT UND REJNHOLD MEJBORG. 77 

denn die Bilder, die er mit Worten andeutet, schildern diese 
mit Lust und Leben in Form und Farbe. Desshalb auch 
soll das neue Gebäude eine Menge zuverlässiger Scenen aus 
dem Volksleben enthalten, wo die Darstellung vollkommen 
der angesehenen Männer würdig ist, deren Namen damit 
verbunden sind. 

Diese Bildergalerie ist selbstverständlich immer der Theil 
des Museums, welcher den grössten Theil des Publikums an 
sich zieht; aber wie sehr er auch ausgezeichnet wird, so muss 
er doch eigentlich als der schöne Vignettenschmuck der 
Sammlung betrachtet werden. Für den Mann der Wissen- 
schaft, besonders den Ausländer, liegt der Schwerpunkt des 
Museums in den ungeheuren Massen von Hausgeräthen, welche 
in den verschiedenen Theilen des Landes bei den Bauern ge- 
sammelt sind. Zur Zeit ist es jedoch nothwendig, sich so 
gut wie möglich einen Überblick über diese Gegenstände 
zu verschaffen; denn die jetzt vorhandenen 70 Ausstellungs- 
räume sind so weit davon entfernt, hinreichenden Raum für 
die Sammlung zu gewähren, dass man sich schon seit mehre- 
ren Jahren gezwungen sieht, das Neuhinzukommende auf- 
zuspeichern, und dass demgemäss das Ausgestellte einen 
Standpunkt darstellt, welcher schon längst überwunden ist. 
Erst wenn der Forscher sich anschickt, die Vorrathskam- 
mern zu betreten, bekommt er eine Ahnung davon, was die 
Sammlung enthält, und er bewundert dann nicht bloss das 
reiche Material, sondern auch die Umsicht, womit es ge- 
ordnet und bezeichnet ist. Während er dann von Stand 
zu Stand, von Gestell zu Gestell geht, so wird er dann in 
seinem Verlangen, diese Sachen alle ausgebreitet zu sehen 
und zu studiren, um so eifriger, wenn er ansieht, wie sich 
hier hinreichender Stoff vorfindet, um über Perioden von 



78 FELIX LIEBRECHT UND REJNHOLD MEJBORG. 



Europa*s Culturgeschichte Licht zu verbreiten, die sich mit 
tausendjährigen Traditionen geltend machen. Draussen auf 
dem Lande, wo die Gegenstände zu Hause gehören, sind 
nämlich die Verhältnisse im Hause bis auf die neuesten Zeiten 
mit denen während des Mittelalters vollkommen übereinstim- 
mend geblieben. Die Hausgeräthe der Bauern sind noch 
jetzt so gleichartig, dass ein und derselbe Inventarialist sie 
für viele Gehöfte geltend machen könnte; und was das Aus- 
sehen betrifft, so hat dieselbe Art von Gegenständen in dem- 
selben Theile des Landes stets dasselbe Hauptgepräge gehabt. 
Für das Aussehen des Hauses haben ebenso strenge Gesetze 
geherrscht, wie für den Schnitt der sogenannten National- 
trachten. Jedes Härad hatte seine Regeln, und bloss durch 
den Einfluss fremder Gegenden sind Ausnahmen entstanden. 
So lange der grösste Theil des Museums wie ein geschlos- 
senes Buch betrachtet werden muss, ist es jedoch unmöglich, 
über diese Verhältnisse Rechenschaft zu geben, und wir müssen 
uns desshalb auf das Folgende beschränken, um ein beson- 
deres Beispiel hervorzuheben, durch welches die auf Reisen 
unter dem Volke gemachten Erfahrungen durch die Samm- 
lungen vervollständigt werden. 

In entlegenen Waldgegenden sind die Häuser noch so 
altmodisch, dass man auf den Mustern in den gewebten Ta- 
peten sehen kann, ob eine Braut aus einem anderen Härad 
in den Hof gekommen ist. Wo die Gebräuche der Vorzeit 
in besonderem Ansehen gehalten werden, wird sogar die 
Reihenfolge der Hausfrauen durch den Platz im Zimmer be- 
stimmt, wo ihre Ausstattungstapeten angebracht sind. Der 
Unterschied zwischen der Vorzeit und der Jetztzeit ist dann 
der, dass die Leinentapeten zur jetzigen Zeit an den Wänden 
den ganzen Sommer hindurch hängen bleiben, während sie 
ehedem bloss bei feierlichen Gelegenheiten gebraucht wurden. 



FELIX LIEBRECHT UNI) REJNHOLl) MJ-yKORtJ. 79 

Da man sie früherhin so sparsam verwandte, so sind verschie- 
dene Tapeten mehrere hundert Jahre alt geworden. Diese 
weichen von den neueren ab und haben ein ausserordentliches 
Interesse, weil sie uns lehren, dass sogar die entferntesten 
Gegenden den Gesetzen der Mode gefolgt sind und dass der 
scheinbare Stillstand bloss von der ausserordentlichen Lang- 
samkeit herrührt, womit sich die Bewegung von ihrem Mittel- 
punkte bis zu den entfernteren Kreisen fortgepflanzt hat. 
Des Nordischen Museums genaue Angabe der Orte weist uns, 
wie die verschiedenen Gegenden von den mannigfachen Moden 
beeinflusst worden sind, und die reichen Sammlungen desselben 
gewähren uns einen deutlichen Überblick über die Stimmungen, 
die uns von fremden Ländern zugekommen. Hinsichtlich 
des Zeitpunktes der Einwanderung der Moden muss be- 
merkt werden, dass in gewissen Gegenden des nördlichen 
Schonen das Rococo erst vor ungefähr 20 Jahren einge- 
drungen ist und daselbst noch des Bauern neueste Mode 
ausmacht. In Dänemark pflanzen noch heutigen Tages die 
Stadthandwerker die Traditionen der Barock- und Renaissance- 
zeit fort. Die Vorbilder von zahlreichen Sachen, welche 
auf der skandinavischen Halbinsel und auf Island in Gebrauch 
sind, müssen wir in den Darstellungen in unseren Kirchen 
suchen und in den Miniaturbildern der mittelalterlichen Hand- 
schriften, sowie in anderen uralten Denkmälern der Kunst und 
Kunstindustrie. Die irländischen Thürornamente, die byzan- 
tinischen Gewächsformen, die karolingischen Beschlagmuster, 
die bunte orientalische Pracht aus der Zeit der Kreuzzüge, 
alles dies, was schon seit langer Zeit in dem übrigen Europa 
zu todter Form geworden ist, blüht noch im Norden, und 
die Kenntniss von Vielem, was auf anderen Stellen bereits 
verloren gegangen ist, wird daher dasselbe auf den ursprüng- 
lichen Ausgangsort zurückführen können. 



8o 



FELIX LIEBRECHT UND REJNHOLD MEJBORG. 



Das Ab- und Verblühen geht jedoch mit grosser Schnel- 
ligkeit vor sich, und von Jahr zu Jahr nehmen ganze Land- 
striche die Pariser Moden an; es ist deshalb höchste Zeit, 
dass ein Jeder, der für Anderes als den Schimmer des Augen- 
blickes Interesse hegt, sich bemühe, die Formen der Vorzeit 
zu retten; und in der Hoffnung, dass dieser Artikel dergleichen 
Lesern zu Gesicht komme, erlauben wir uns daran zu erinnern, 
dass das Nordische Museum Alles verwenden, wenn auch nicht 
Alles aufstellen kann. Sollte es sich zeigen, sobald die Samm- 
lungen in ihrem neuen Daheim geordnet sind, dass die eine 
oder andere Ciasse von Gegenständen sich in überflüssiger 
Menge vorfindet, so würden die Geber sicherlich nichts da- 
gegen haben, wenn dergleichen Sachen ins Ausland gingen 
im Austausch gegen schwedische Waffen, deren einstige In- 
haber in den grossen Kriegen gefallen sind. 

Hinsichtlich des Umfanges dieses Artikels müssen wir 
ferner nicht zu bemerken unterlassen, dass wir den Theil 
der Sammlung übergangen, der den Bürger-, Priester- und 
Adelsstand betrifft. Einige Kenntniss über diese Abtheilungen 
dürfte man durch das Prachtwerk erhalten: Minnen frän 
Nordiska museet von Arthur Hazelius. Der erste Band 
dieses Werkes ist neulich abgeschlossen worden und zugleich 
die Auflage so gut wie ausverkauft. Natürlich sind nicht 
wenige Exemplare nach dem Auslande gegangen; jedoch 
dürfte der grösste Theil der Auflage in schwedischen Händen 
geblieben sein, was wiederum einen Beweis liefert, welche 
Liebe das schwedische Volk für seine Erinnerungen aus der 
Vorzeit hegt; denn das Werk muss eine bedeutende Ver- 
breitung errungen haben^ weil es möglich gewesen ist, die 
Ausgaben für die kostbaren Illustrationen ohne öffentliche 
Unterstützung zu bestreiten. 



Uerinneringen uit Scandinavie, door J. K. W. Quarles van 
Uffokd. *S Gravenhage 1876. S. 40 — 46. 



ri»-T*>^ 1 




'^in anderes Museum in Stockholm, welches die ange- 
nehmste Erinnerung hinterliess und welches wir wieder- 
holt besuchten, war die durch Herrn Dr. Hazelius errich- 
tete Skandinavisch-ethnographische Sammlung. Wer erinnert 
sich nicht von den Weltausstellungen der stattlichen nach 
der Natur ausgeführten Wachs- oder Gipsfiguren, welche die 
verschiedenen Körperstellungen so getreu wiedergeben und 
eine so gute Vorstellung der nordischen Kleidertrachten ge- 
währen? Die Künstler, welche diese Bilder oder Puppen an- 
gefertigt, haben Herrn Hazelius bei Errichtung seines Mu- 
seums Hülfe geleistet. 

Bei seinen verschiedenen Reisen in Schweden hatte es 
die Aufmerksamkeit dieses warmen Vaterlandsfreundes erweckt, 
dass die Sitten und Gebräuche, die eigenthümlichen und male- 
rischen Trachten etc. der Vorfahren mehr und mehr ver- 
schwanden. Diese Klage wird im Uebrigen, wie bekannt, 
allerorts erhoben. Eine der weniger erwünschten Folgen der 
durch die Eisenbahnen und Dampfboote entstandenen Ver- 
kehrsmittel zwischen den Völkern ist, dass alle Menschen 
gleich gekleidet sein wollen: weniger erwünscht, weil die s. g. 
französische Kleidertracht, die überall angenommen zu werden 
scheint, weniger hübsch und weniger malerisch ist, als die 
eigenthümlichen Volkstrachten, welche abgelegt werden. 

Herr Hazelius verstand, dass diese Strömung nicht zurück- 
geführt werden konnte; dagegen konnte die Erinnerung an 



84 W. QUARLES VAN UFFORD. 

das noch Bestehende oder das unlängst Verschwundene be- 
wahrt werden, von welchem nach einem halben Jahrhundert 
vielleicht gar nichts mehr übrig sein wird. Der Werth dieser 
Erinnerungen ist um so grösser, je früher dieselben aufbe- 
wahrt werden. Er sammelte in Folge dessen Kleidertrachten, 
Leibstückverzierungen, Möbel- und kleinere Hausgeräthge- 
genstände, Gegenstände vom Gebiet des Hausfleisses, welcher 
im Norden mit dessen langen Winterabenden von so grosser 
Bedeutung ist, und allerlei Kleinigkeiten, welche dem Alltags- 
leben, den Sitten und Gebräuchen der jetzigen und verflos- 
senen Zeit in Skandinavien eigen sind und zu einer ethno- 
graphischen Sammlung gehören. Wir sahen dort unter An- 
derem verschiedene hohle Opfersteine, welche ehemals und 
vielleicht noch an einigen Stellen des Landes zu gottes- 
dienstlichem Gebrauch benutzt werden. Herr Hazelius Hess 
bei den erwähnten Künstlern Figuren in Lebensgrösse an- 
fertigen, hergestellt aus Gips, die er bekleiden und aus- 
schmücken Hess. Er Hess Hütten aufstellen, vollständig 
gleich den der Bauern in den verschiedenen Landestheilen, 
und folgte dabei so getreu wie irgend mögHch den Eigen- 
thümlichkeiten dieser Wohnstätten. Er möbHrte sie mit den 
zu denselben gehörenden Hausgeräthen. Die vordere Wand 
dieser Hütten ist herausgenommen, damit der Besucher das 
Ganze übersehen kann. So sieht man z. B. eine Bauern- 
familie, fertig, sich an den wohlversehenen aber einfachen 
Tisch zu setzen; man kann einen Blick auf den altmodischen 
Kachelofen oder Feuerherd, welcher mehr als ein Zimmer 
erwärmt, in den Schrank, in welchem die Hausfrau ihre 
Schüsseln und Hausgeräthe verwahrt, und in den Gänsebauer 
unter der Bank werfen. In einem anderen Raum findet eine 
Freierei statt. In noch einem anderen, in welchem man ver- 
schiedene Kleidertrachten sieht, wird ein Besuch abgestattet. 



W. QUARLES VAN UFFORD. 85 

Man sieht mehrere Zimmer mit verschiedenen Scenen aus 
dem schwedischen Volksleben. Die letzte und grösste Gruppe 
stellt eine Familie von Lappländern dar; man sieht ihre Zelte 
aus Rennthierhäuten, ihr Boot, einen durch Rennthiere ge- 
zogenen Schlitten, einen zur Jagd ausgerüsteten alten Lapp- 
länder etc. Zu dieser Gruppe gehört auch das einzige lebende 
Wesen, welches hier gezeigt wird, nämlich ein echter, lang- 
haariger, dicker und kurzer Lapphund. Alles ist so, wie 
man es in den verschiedenen Theilen Skandinaviens findet, 
mit ursprünglichen Kleidern, Schmuckgegenständen, Möbeln 
etc. Was für die Zimmer nicht passte, ist — wenn es sich 
um die kleineren Gegenstände handelt — in niedrigen Glas- 
kasten und Schränken verwahrt; die grösseren sind in be- 
sonderen Zimmern aufgestellt oder aufgehängt. In jedem 
Zimmer befindet sich eine detaillirte Karte über die Provinz, 
aus welcher die Trachten und sonstigen Gegenstände stammen. 
In diesem Museum kann man in Folge dessen auf eine 
weit angenehmere und begreiflichere Weise als in anderen, 
in welchen die Gegenstände getrennt sind, ethnographische 
Studien unternehmen. Hier sieht man jede Familie in ihrem 
Alltagsleben und Alltagsanzug und bei ihrer täglichen Arbeit, 
umgeben von ihren gewöhnlichen Hausgeräthen und Instru- 
menten zur Ausübung des Hausfleisses etc. Die beigefügte 
Erklärung belehrt uns darüber, wo die Familie wohnte, in 
welcher Zeit dieselbe lebte etc. Durch dies Alles ist die 
Ausstellung in ihrer Gesammtheit besonders anziehend. 

Der liebenswürdige Herr Hazelius hatte die Güte, sämmt- 
lichen Mitgliedern des Congresses freie Eintrittskarten zur 
Verfügung zu stellen. Bei unserem ersten Besuch war er so 
zuvorkommend, uns persönlich zu begleiten und uns eine 
Menge Aufklärungen zu ertheilen. In seiner Arbeit im Mu- 



86 W. QUARLES VAN UFFORD. 

seum hat er eine gute Stütze in einer Stockholmer Dame, 
welche mit der Sache sehr vertraut zu sein schien und über 
recht Vieles Auskunft geben konnte. Die Aufsicht über das 
Museum ist einigen jungen Mädchen anvertraut; diese sind in 
den malerischen Trachten ihrer Heimath gekleidet — wenig- 
stens war dies der Fall mit einer allerliebsten Dalekarlierin, 
welche in der Gegend geboren war, deren Tracht sie trug. 
Die meisten dieser Mädchen sehen gut aus; einige sind sogar 
sehr hübsch und da wir uns ziemlich genau ihre Trachten an- 
sahen, hatten wir auch Gelegenheit, die Farbe ihrer Augen zu 
sehen und diese als Etwas noch hübscheres zu bewundern. Als 
eine Eigenthümlichkeit will ich erwähnen, dass ich eins dieser 
Mädchen beim Lesen der Frithiofsage des berühmten schwe- 
dischen Dichter Esaias Tegn^r beschäftigt sah. Würde man 
bei uns die Aufwärter oder Aufwärterinnen der Museen mit 
einem Tollens oder Beets in der Hand sehen? 

Einen Beweis davon, wie sehr dieses Museum dem Pu- 
blikum gefällt, findet man in den Worten des Herrn Hazelius, 
dass noch kaum 5 Jahre verflossen seien, seitdem er seine 
augenblicklich so reiche Sammlung zu ordnen anfing, und 
dass jetzt, wo die Sache bekannt, Beiträge von allen Seiten 
zusammenströmen und vor ein Paar Jahren ein Staatsbeitrag 
von 5,000 Kronen ihm zuerkannt worden ist.^ 

Es ist nicht ohne Absicht, dass wir uns so lange mit 
dem Ethnographischen Museum beschäftigt haben. Allerdings 
war es uns eine Freude, die angenehmen, dort zugebrachten 

' Man beachte gefalligst, dass dieser Aufsatz in einem der ersten Jahre 
nach Gründung des Museums geschrieben wurde. A, H, 



W. QUARLES VAN UFFORD. 



87 



Stunden ins Gedächtniss zurückzurufen. Wir hatten aber noch 
Etwas anderes in unseren Gedanken. 

Wir sahen, wie gering der Anfang dieses Museums war. 
Vor kaum 5 Jahren kam ein privater Mann, aber ein Mann 
mit Geschmack und Kraft und einem warmen vaterlands- 
liebenden Herzen auf den Gedanken, das Zerstreute zu sam- 
meln und wurde dabei von seinen Landsleuten und seiner 
Regierung kräftig unterstützt, und jetzt schon findet man ein, 
wenn nicht gerade grosses, jedoch höchst interessantes Museum. 

Nun — auch bei uns hört man die Klage, dass unsere 
alten Volkstrachten und so viele andere Gegenstände allmälig 
verschwinden. Dies ist nicht allein der Fall mit unseren 
alten Oelgemälden, sondern auch mit unseren alten zier- 
lich ausgearbeiteten Möbeln, unserem alten Porzellan, un- 
seren Töpferarbeiten und anderen schönen Sachen, welche 
jetzt zu den auserwähltesten Schätzen ausländischer Museen 
und Paläste gerechnet werden. Jedoch haben wir noch ge- 
nügend viele ähnliche Kostbarkeiten aufzubewahren, wie wir 
auf derartigen Ausstellungen in Delft, Utrecht, Middleburg 
etc. gesehen haben. Diese Kleinodien, zum Theil durch 
Privatleute, zum Theil durch Ausstellungen, wie die eben- 
erwähnten, allgemein bekannt, würden gewiss in einem Mu- 
seum, wie dem des Dr. Hazelius, an ihrem Platze sein, wenn 
ein solches vorhanden wäre. Ein derartiges Museum würde 
den Kern eines niederländischen »Art-Museums» in geringem 
Umfange, gleich dem in South Kensington, bilden oder besser, 
mit den in den Kabinetten zu Leyden, Haag und anderen 
befindlichen Gegenständen historischer und ethnographischer 
Art vereinigt, eine ziemlich grosse und interessante Sammlung 
bilden können, ^enn es nur ein für die Aufbewahrung der- 
selben passendes Local gäbe. 



I 



W. QUARLES VAN 



Lange schon wünschte ich, ein solches Gebäude an einem 
gut gewählten Platze in unserer schönen Residenzstadt sich 
erheben zu sehen. Solch ein Bau könnte ein Schmuck unserer 
Hauptstadt werden und gleichzeitig auf eine würdige Weise 
die Schätze, welche die niederländische Kunstindustrie her- 
stellen wird, sowie die bereits vorhandenen, zerstreuten, ver- 
steckten oder vergessenen aufbewahren und aufstellen. 

Wer wird aber bei uns der Dr. HazcHus werden, welcher 
den Grund zu einem derartigen Museum legen und das In- 
teresse der Nation dafür erwecken wird? — — 



Saga, Minnesblad frän Nordiska museet. 2 uppl. Stock- 
holm 1885. S. 46, 47. 



Hauszdchen. 



An Dr. A. Hazelius. 




er Fuss des Menschen hat eine wunderbare Macht, 
Spuren auf dem von ihm betretenen Boden zurück- 
zulassen. Die Winde der Wüste verwehen eine Spur im 
Sande; der Schneesturm verwischt den Weg des Schnee- 
schuhläufers; das Gras wächst über den Lagerstätten der 
Nomaden und siehe: nach tausend Jahren zeigen eine Ci- 
sterne, eine Steinaxt, ein Haufen Muschelschalen die Spuren 
des Menschen. Was ist unempfindlicher als der harte Granit, 
was ist weniger dauerhaft als die von dem Kiel des Seglers 
im Meere gezogene Furche? Und doch bewahren die Gebirge 
ihre Spuren, der See entblösst seine alten Pfalbauten, das 
Meer, das spurlose, lässt im Torfmoor ein versunkenes Boot 
zurück. Dieser schwache Erdbewohner, dessen Dasein im 
Weltall so verschwindend kurz ist, hat überall an der Fläche 
des Planeten seine Spur eingedrückt. 

Das Individuum vergeht; das Volk lebt. Das Volk ver- 
geht; die Menschheit lebt. Die Menschheit vergeht; Gott 
lebt. Das endliche Wesen sucht nach der Unendlichkeit. 
Etwas wollen wir zurücklassen, wenn wir nicht mehr sind. 



92 



ZACHRIS TOPELIUS. 



Die skandinavischen Völker sind weit gewandert. Ihre 
Spuren erstrecken sich über unseren ganzen Welttheil, über 
eine Aussenkante Asiens und eine Ecke von N. Amerika. 
Sie wohnen jetzt auf Heimskringlas panna — der Stirn 
des Weltkreises — ; aber noch heutigen Tags fliegen die 
Raben Odins — Wissenschaft, Kunst, Technik — weit um 
die Welt Scandia, vagina gentium. Es verlohnt sich der 
Mühe, die Spuren solcher Völker zu sammeln — und sie bis 
zur Schwelle ihres Heims zu begleiten. 



Schweden leidet keinen Mangel an gesammelten An- 
denken. Die Geschichte bewahrt sie, die Dichtung besingt 
sie, der Pinsel, der Meissel, die Architectur verherrlichen sie. 
Die Riddarholmskirche und das Nationalmuseum sind die Nach- 
welt grosser Helden und Gedanken. Das ist ein reiches, gespar- 
tes Erbe, welches nur in gangbare Münze für das gemeine 
Volk gewechselt zu werden braucht. Simtäacrum & umbra 
CreuscB — das Phantom eines Volks. Wo ist aber das Volk? 

Ja, wo ist das lebende Schweden? Ich wandle unter 
den Heldengräbern, unter ehrwürdigen Gewölben, durch an- 
ziehende Säle, durch Perioden, erfüllt von Stürmen und 
Heldenthaten, durch Kunstgallerien und Bibliotheken, Denk- 
mäler des Genies und der Intelligenz; meine Brust erweitert 
sich in erhabenen Gefühlen und ich verstehe, dass ein Volk, 
welches eine solche Erbschaft hinterlassen hat, nicht spurlos 
über die Erdfläche hat gehen können. Aber — wo ist das 
Volk? Ich höre seine Stimme, ich erkenne seinen Athem, 
ich fühle sein Herz klopfen, aber ich sehe es nicht: es steht 
hinter seinen Werken. Heb den Schleier auf, lass den Vor- 
hang fallen, gieb mir das lebende Volk! 

Wandersmann, sagt man, verlange nicht Leben von be- 
grenzten Anschauungsgegenständen I Ein Volk findet keinen 



ZACHRIS TOPELIÜS. 



93 



Platz in einem Rahmen, es kann nicht auf Konsole und Borte 
gestellt werden: es giebt seine Seele in seinen Gedanken, 
seinen Arm in den Thaten. Geh hinaus in unsere Lande, 
sei Gast in unseren Hütten: dort wohnt das lebende Volk. 

Ich danke für die Aufklärung. Wenn aber ein Volk in 
seinen Gedanken und Thaten sich selbst giebt, so müssen 
diese Gedanken und Thaten zu einem lebenden Spiegelbild 
zusammengestellt werden können. Wie kommt es, dass 
prachtvolle Museen so scheintodt wie Gruftgewölbe sein 
können? Und dann, wie kommt es, dass ein Torso ohne 
Kopf und Arme ein so volles Leben durchströmen kann, 
dass er gleichsam vom Postament herabspringen will.^ Die 
Anschauungsgegenstände eines Museums gleichen den zer- 
streuten Gebeinen auf dem Schlachtfelde in der Vision He- 
sekiels. Giesse in diese seelenlosen, oft namenlosen Gegen- 
stände einen lebenden, zusammenhaltenden Gedanken hinein; 
sortire sie, ordne sie, gruppire sie um ihre Centra; lass von 
dort das frisch Eigenthümliche nach der Periferie ausströmen 
und von derselben wieder zurück nach dem Centrum ; lass da- 
durch auch das Unbedeutende eine Bedeutung, das scheinbar 
Werthlose eine sinnreiche Verwendung erhalten — und die 
zerstreuten Knochen werden sich zu Gestalten ordnen, die 
unübersehbaren Massen der ethnographischen Gegenstände 
sich zu Typen sammeln und der Besucher wird die Samm- 
lungen verlassen mit dem Totaleindrucke eines Volks, welches 
jetzt in den Provinzen, im Vaterlande, im skandinavischen 
Norden athmet und lebt. 

Es ist wahr, dass das Leben dieser Typen im Besucher 
selbst gesucht werden muss; dieser erkennt und liebt sie, der 
Fremde aber fühlt nicht ihren Busen durch die Herzschläge 
sich erheben oder die Lebenswärme zu Gluth auf den Wangen 
der Typen steigen. Aber auch vor ihn treten menschliche 



94 ZACHRIS TOPELIUS. 



Züge einer unendlich mehr lebenden Wahrheit als in den 
steifen Wachskabinetten. Und die Berührungspunkte sind 
viele. Dieser Fremde ist vielleicht einmal in seinem Leben 
von einem von Jenny Lind oder Kristina Nilsson gesungenen 
schwedischen Volkslied bezaubert worden. Er erkennt hier 
den Fond des Liedes und den Busen, welchem es bei der 
Arbeit oder in der Einsamkeit des Waldes entsprang; er 
versteht es jetzt besser; er lernt das Volk lieben, welches 
es gesungen hat. 

Ungefähr so, Herr Doktor, habe ich mir Ihre Auffassung 
gedacht, als Sie das Nordische Museum in Stockholm errich- 
teten und demselben ein wirksames Leben gewidmet haben. 
Die Mühe kann unerwähnt bleiben. Sie und Ihre Mitarbeiter 
haben das finnische Räthsel vom Ofenbesen verwirklicht, 
welcher 

»geht in's Holz, wo gar kein Weg ist, 
bahnt den Weg bei seiner Rückkehr.» 

Aber das Resultat ist die Verwirklichung eines anderen 
finnischen Räthsels gewesen: 

»Gleich, wenn wir die Thüren öffnen. 
Einer kommt und küsst uns herzlich.» 

Das ist die Wärme der gemüthlichen eigenen Stube, 
welche an einem kalten Wintertage den erfroreren Wanderer 
empfängt. Jeder Schwede, jeder skandinavische Besucher 
Ihres Museums wird das Räthsel in der Weise errathen und 
Sie haben auch dafür Sorge getragen, dass ein finnischer 
Gast sich dort warm fühlt. 

Paläste und Hütten haben ihre Schätze mit Ihnen ge- 
theilt; keine Stufe der Gesellschaft ist vernachlässigt worden. 
Aber Ihr Museum ist vor Allem volksthümlich. Der un- 
bekannte Arbeiter, das arme Bauermädchen, an deren Namen 



ZACHRIS TOPELIUS. 



95 



sich Niemand ein Jahr nach ihrem Tode erinnert, haben sich 
Ihretwegen entkleidet, der eine seiner Jacke, das andere seiner 
kunstlosen Schmuckgegenstände. Sie haben ebensowenig 
das Weberschiff und die Wollkratze wie den Botenstecken 
und den Pfeil der Dalekarlier vergessen. Mit dem Volke 
der Heerzüge und Reichsvertretungen, welches die Geschichte 
erfüllt, haben Sie die Arbeiter der Hütten, die Hirten der 
Haiden, die Arbeiter des Meeres, denen es bei Ihnen besser 
gefällt, vereinigt. Die Welt, welcher die Thurmspitzen des 
Volkes bekannt sind, wird auch den Unterbau kennen lernen, 
auf welchem dieselben ruhen. Dieses Museum ist das Haus- 
zeichen Schwedens, eingemeisselt vom Volke selbst mit eigener 
Hand unter den Urkunden der Vergangenheit und der Jetzt- 
zeit bis auf die leeren Blätter der Tage, die da kommen 
sollen. 

Und nicht allein Schwedens. Eine neue Union, fried- 
licher und dauerhafter als die in Kalmar, vereinigt durch Ihr 
Museum die drei skandinavischen Völker. Der alte warm- 
herzige Carl Ploug und die jetzt greisen Studenten vom 
Jahre 1843 werden Ihre Hand drücken, weil Sie ihren Traum 
verwirklicht haben — nicht so, wie sie ihn träumten, sondern 
wie die grossen Gedanken und fruchtbaren Keime einer 
vergangenen Generation sich bei einer nachfolgenden aus- 
bilden. 



Empfangen Sie hiedurch auch aus Finnland einen warmen 
Glückwunsch zur kräftigen Zunahme und Blüthe des Nordi- 
schen Museums! Schenken Sie den Stimmen keinen Glauben, 
die Ihnen von hier aus zuflüstern, dass die schwedische Cultur, 
die schwedische Sprache und die schwedische Freundschaft 
uns gleichgültig geworden sind, weil wir Finnland für die 



,6 



Finnen verlangen, wie Ihr Schweden für die Schweden ver- 
langet. In Euerer Schule haben wir dies gelernt, in Euerer 
Sprache hat uns Runeberg dies gesagt und mit uralter, fester, 
unerschütterlicher Freundschaft werden wir nach wie vor uns 
über Euere Fortschritte freuen und durch Euer Beispiel lernen. 
Das Nordische Museum erstreckt seine Wurzeln tief in unser 
Land hinein. Es hat uns Aufforderungen und Vorbilder ge- 
sandt, welche auch bei uns den Anstoss zum Beginn von 
Etwas Aehnlichem, jedoch in den Volkstypen und Cultur- 
entwickelungen Ungleichem gegeben haben. Der Tag wird 
kommen, an welchem die skandinavischen und finnischen 
Museen — da Finnland auch seinerseits seine Wurzeln tief 
in das nördliche Skandinavien erstreckt — gegenseitig ihre 
Räthsel lösend sich komplettiren werden. 

Möge das Nordische Museum, kräftig unterstützt von 
der Vaterlandsliebe der Jetztzeit und Zukunft die reichsten 
Schätze sammeln. Möge es für künftige Jahrhunderte als ein 
Hauszeichen der Völker unter einem neuen, unauslöschlichen 
Unionsvertrag errichtet werden! Und möge die erste Hand, 
die dieses Zeichen vollzog, in ihrem Streben erfolgreich, 
durch ihren Erfolg belohnt und der Erinnerung des ganzen 
nordischen Volks werth sein. 



Finntand, Björkudden, den 2. April 1885, 



FÜHRER 



DURCH 



DIE SAMMLUNGEN 



DES 



NORDISCHEN MUSEUMS. 



Anweisungen 

für 

Besucher des Nordischen Museums. 



Die verschiedenen AbtheiJungen des Museums sind gegen Er- 
legung der unten angegebenen Eintrittsgelder zu folgenden Zeiten 
geöffnet, nämlich: 

Die Abtheilung für den Bauernstand, Drottninggatan 71, 
südlicher und nördlicher Pavillon; alle Wochentage (ausser Mittwoch 
und Sonnabend) von 11 — 5 Uhr; Sonntag von i — 9 Uhr Nachm. 
Eintrittsgeld: 50 öre; für Kinder und Dienstboten 25 öre. 

Die Handwerker- und Zunftabtheilungen, die Abtheilung 
für die höheren Stände und die norwegische Abtheilung etc., 
Drottninggatan jg^ i, 2 und 3 Treppen, und Drottninggatan yj^ 
I und 2 Treppen, mit Eingang von Nr 79, alle Wochentage von 
II — 5 Uhr; Sonntags von i — 3 Uhr Nachm. Dasselbe Eintritts- 
geld wie in voranstehender Abtheilung. 

Die pharmaceutische Abtheilung etc., Drottninggatan 68, 
i Treppe, Mittwoch und Sonnabend von 11 — 5 Uhr; Sonntags 
von I — 3 Uhr Nachm. Eintrittsgeld: 25 öre. 



lOO ANWEISUNGEN FÜR BESUCHER DES NORDISCHEN MUSEUMS. 



In der dunkelsten Jahreszeit — vom i. November bis zum i. 
März — sind die verschiedenen Abtheilungen an den Wochen- 
tagen nur bis 3 Uhr Nachm. geöffnet. 



Die Mitglieder der Gesellschaft zur Förderung des Nordischen 
Museums sowie diejenigen, welche von dem Director freie Eintritts- 
karten erhalten haben, sind zu den oben angegebenen Zeiten berechtigt, 
gegen Vorzeigung der Eintrittskarten sämmtliche Sammlungen kosten- 
frei zu besehen. 



Sämmtliche Abtheilungen des Museums sind gegen Entrichtung 
des doppelten Eintrittsgeldes auch zu anderen Zeiten und, so weit 
keine zwingenden Hindemisse im Wege stehen, alle Wochentage 
von 9 Uhr Morgens bis zum Einbruch der Dämmerung zugänglich. 
Diese Anordnung ist hauptsächlich darauf berechnet, den Reisenden, 
welche sich nur kurze Zeit in Stockholm aufhalten, den Besuch 
des Museums zu ermöglichen. 



Die Bibliothek und das Archiv sind noch in der Einrichtung 
begriffen und deshalb bis auf Weiteres .nur mit Genehmigung des 
Directors zugänglich. 



Im Allgemeinen ist das Museum nur am ersten Weihnachtstag, 
am Charfreitag und zu Johannis geschlossen. 



Stöcke, Regenschirme u. dgl. werden am Eingang abgegeben 
und unentgeltlich verwahrt. 



Hunde dürfen nicht mitgenommen werden. 



ANWEISUNGEN FÜR BESUCHER DES NORDISCHEN MUSEUMS. lOI 



Das Rauchen ist verboten. 



Toilettenzimraer werden von den Aufseherinnen angewiesen. 



Das Personal darf keine Trinkgelder entgegennehmen. 



Die Ausstellungsgegenstände dürfen nicht berührt werden. Das 
Abzeichnen derselben ist im Allgemeinen gestattet; sollen aber die 
Zeichnungen veröffentlicht werden, so ist dazu die Genehmigung 
des Directors erforderlich. 



Gaben zur Ahtheilungfür den Bauernstand, zu den Abtheilungen 
für das Zunftwesen und die höheren Stände, zur pharmaceutischen, 
sowie zur historischen Abtheilung, welche letztere Erinnerungen an 
hervorragende nordische Persönlichkeiten enthält, und schliesslich 
Spenden zu dem in der Abtheilung Drottninggatan 7 1 angeordneten 
beständigen Verkauf zum Besten des Museums werden mit der grössten 
Dankbarkeit entgegengenommen und können nach Belieben in der 
Expedition, oder in irgend einer anderen Abtheilung des Museums 
abgegeben werden. 

Die Namen sämmtlicher Geber werden durch die jährlich er- 
scheinenden Mittheilungen der Gesellschaft zur Förderung des Nor- 
dischen Museums veröffentlicht. 



Mittheilungen zur Vervollständigung der Kenntniss der im Mu- 
seum ausgestellten Gegenstände und etwaige Winke in Bezug auf 
die Vermehrung oder Förderung der Sammlungen wolle man dem 
Director oder irgend einem der Beamten des Museums gefälligst 
zugehen lassen. 



I02 ANWEIRUNRF.N FÜR BESUCHER »ES NORDISCHEN MUSEUMS. 

Da das Nordische Museum Eigenthum des schwedischen Velhes 
ist, so muss die Überwachung der Ordnung bei der Besichtigung der 
Sammlungen, sowie deren Schonung und Erweiterung jedem Schweden 
warm am Herzen liegen. 

Die Expedition des Nordischen Mnsenms 

— Drolloinggalan 79, 3 Treppen — 

ist im Allgemeinen offen alle Wochentage von 9 Uhr Vorm. bis 



Führer 

durch die Sammlungen 



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Südlicher Pavillon. Nördlicher Pavillon. 

Drottninggatan 7/ A, 

Abtheilung für den Bauernstand. 



Südlicher Pavillon. 

1. Zimmer: enthält oft ausgestellte Sachen, die zur För- 
derung des Mord/sehen Museums werkaufi werden sollen. 



104 FÜHRER DURCH DAS NORDISCHE MUSEUM. 



2. Zimmer (r. vom Eingang): Prähistorisches. 

Gegenstände zum Theil aus dem Steinalter, der urältesten Zeit, 
wo der Gebrauch der Metalle noch völlig unbekannt war und die 
Einwohner Schwedens zur Herstellung ihrer Waffen und Geräth- 
schaften auf Steine, Flintensteine, Holz, Knochen u. dgl. angewiesen 
waren; zum Theil aus dem Bronzealter ^ wo die Waffen etc. aus 
Bronze angefertigt wurden und das Eisen ein noch unbekanntes 
Metall war; zum Theil auch aus dem Eisenalter^ wo das Eisen 
zuerst zur Herstellung von Waffen und anderen Geräthschaften 
benutzt wurde. 

In der Thüröffnung: zwei geschnitzte Pilaster von einem 
Bauernhof in Schonen, der wahrscheinlich in den i62o:er Jahren 
gebaut ist. 

3. Zimmet (Durchgangszimmer). An den Wänden: bonader^ 
Bauemmalereien aus Smäland, mit welchen der Vordergiebel, die 
Wände und Decken der alten Firstbalkenstuben zu Weihnachten ge- 
schmückt wurden. 

4. Zimmer: Gegenstände aus Schonen, B/eking, Hai- 
land, Westgothland und Södermanland. 

Bauemmädchen aus Bleking, umgeben von verschiedenen Wand- 
teppichen und Hausgeräthen der genannten Provinz; unter den 
letzteren befindet sich eine sehr alte und seltene Garnwinde aus der 
Gegend von Kristianopel. 

Das Innere eines Hauses aus der Gegend von Ingelstad in 
Schonen, mit kostümirten Figuren, Ende des i8. Jahrh. (A); Stube 
aus Hallandy mit Figuren, erste Hälfte des 19. Jahrh. (B); Bauernstube 
aus Wingäker in Södermanland, mit Gruppe: Brautgratulation am 
Tage des dritten Aufgebots, 1820 (C); Schnitterin aus Jlerrestad in 
Schonen. 

In den Kasten am Fenster: kleinere Gegenstände aus Scho- 
nen, Bleking, Halland und Westgothland. Von diesen sind be- 
sonders hervorzuheben — aus Schonen: Glättsteine zum Glätten 
feinerer Wäsche; byastock (Dorfstock) aus Knislinge, auf welchem 
die Höfe und ihre Eigenthümer vom Jahre 1774 verzeichnet sind; 
knäßingar, eine Art Vermerke, welche durch den Gemeindevorsteher 
aufgezeichnet wurden und alle im Laufe des Jahres stattgefundenen 
Verletzungen der Dorfordnung enthielten; ringklubba vom Jahre 17 51, 
welche bei königlichen Todesfällen zwecks Ladung zum Trauer- 
läuten in der Gemeindekirche umhergeschickt wurde. — Aus Bleking: 
byahorn (Dorfhörner), mittels welcher der Gemeindevorsteher die 
Bauern zur Versammlung zusammenrief; ellakors (Elfenkreuze), welche 



FÜHRER DURCH DAS NORDISCHE MUSEUM. 



lOS 



als Schutzmittel gegen Zauberei und böse Mächte getragen wurden. 
— Aus Halland: Thonschüsseln mit Inschriften spasshaften Inhalts, 
z. B. »Alle Mann seien jetzt froh, denn jetzt kommt der 
Hausfrau Fisch auf den Tisch»; snipaskälar (Schneppen- 
schusseln), runde, mit vier Schneppen versehene Holzschüsseln, 
aus welchen man mittels eines Löffeis Branntwein trank; sanke- 
fjölar^ eine Art Botenstecken, welche die Gemeindevorsteher im 
Dorfe umhersandten, wenn sie die Dorfsleute zur Versammlung 
laden wollten; Bleiptitschen^ eine fürchterliche Waffe, welche auf 
Reisen, bei Märkten und anderen grösseren Versammlungen mit- 
gebracht wurde, wo die Bewohner verschiedener Gemeinden und 
Districte zusammentrafen, und welche oft eine traurige Rolle in 
den dabei abgehaltenen Kämpfen spielten. — Aus Westgothland : 
bandkmfvar (Bandmesser), mit welchen beim Weben von Band der 
Einschlag gemacht wurde ; rockhufvud; Holzschlösser und eine Samm 
lung interessanter Trinkgefässe aus Holz. 

In den Fenstern: sömatsfat für Zuspeisen; Leuchter aus Eisen; 
skäkteträ^ Geräthschaft zur Flachsbereitung, etc. An der Decke: 
eine Sammlung interessanter Grabkreuze aus Eisen von Fried- 
höfen in Smäland. An den Wänden: Proben der Webekunst aus 
Schonen. 

5. Zimmer: ßegensiände aus West- und Osigoihland. 

Glasschrank mit Trinkgefässen und anderen Hausgeräthen aus 
Ostgothland. In den beweglichen Glasrahmen: Ansichten und 
Kostiimbilder, An den Wänden: primitives Pferdegeschirr , Werk- 
zeuge u. dgl. aus West- und Ostgothland. In den Glaskasten: 
Schmuckgegenstände ^ Brautausstattung und Bindehauben, Kopfbe- 
deckungen für Frauen, welche im vorigen und in diesem Jahr- 
hundert in gewissen Landestheilen sehr üblich waren; Runenstäbe 
von Holz, an deren Seiten der Kalender mit Runenzeichen ein- 
geschnitten ist. 



6. Zimmer: Gegenstände aus Smäland und Öland. 

In einem Kasten am Fenster s. g. Feldzeichen, welche von den 
Bäuerinnen in Värend zur Erinnerung an die einstige Tapferkeit 
der Frauen im Kampf gegen die eindringenden Dänen getragen 
werden. Schmucksachen aus dem 17. und 18. Jahrh. Unter den 
Silberschmucksachen aus Smäland ist löfvaspännet (Laubschnalle) 
die gewöhnlichste. Dieselbe besteht aus einer herzförmigen Schild- 
kante unter einer Krone oder einem kronenähnlichen Oberstück 
und an der Kante umgeben von einer Menge schalenförmigen 
Hängeverzierungen, Laube, immer ungleich an der Zahl. 

13 



I06 FÜHRER DURCH DAS NORDISCHE MUSEUM. 



Im Glasschrank: verschiedene interessante Trinkgefässe, wie 
z. B. koppa lustige ein Daubenfass, welches in jeder Fassdaube ein 
senkrechtes Loch hat, von welchen jedoch nur eins im Boden des 
Gefasses ausmündet. Um den Inhalt des Gefasses zu erreichen 
niusste man aus diesem saugen. Für denjenigen aber, welchem dies 
ein Geheimniss war, war es unmöglich etwas vom Getränk zu er- 
halten. Er goss bei den Versuchen durch die an der oberen Kante 
befindlichen Löcher leicht den Inhalt über sich, und dieser Um- 
stand hat dem Geföss seinen Namen gegeben; in derselben Weise 
sind auch die hier verwahrten gyckelstop (Gaukelmasse) aus Thon 
eingerichtet. Brotstempel, geschnitzte Holzstempel verschiedener 
Form und Grösse, mit welchen das Weihnachtsbrot gekräuselt 
wurde. 

An den Wänden: Mangeibretter, unter welchen sich besonders 
zwei durch ihr schönes Schnitzwerk auszeichnen; Wanzenbretter zum 
Fangen von Wanzen; Zuggeschirr; Bogen; Wolfsspeere etc. 

In den Fenstern und an der Seitenwand: eine Sammlung 
Spinngeräthschaft, rockblad^ und Geräthschaften zur Flachsbereitung, 
skäkteträ^ beide Theile sehr hübsch geschnitzt. 

Unter den Glaskasten : » Woifshetzen-^ und T>Dofftrommeir>, erstere 
beim Hetzen von Wölfen, um diese gegen die Wolfsnetze zu treiben, 
letztere um die Dorfbewohner zur Versammlung zusammenzurufen 
verwendet; Runenstäbe etc. 



7. Zimmer: Gegenstände aus S mal and, Goiland, Hai" 
iand, Boliusiän und Dalsland. 

Im Glasschrank: Gegenstände aus den genannten Provinzen. 
Von besonderem kulturhistorischem Interesse sind einige hier auf- 
bewahrte Gegenstände aus Smäland, welche einst zum abergläu- 
bischen Gebrauch verwendet worden sind: eine Steinaxt^ welche 
um den Hals der Kinder gehängt wurde, sollte die »englische Krank- 
heit» heilen. Mit dem piiebäge, eine Klüke von Weidenholz, hat 
man den »villarpaskott» (Hexenschuss) weggeschossen; die Wün- 
scheiruthe, ein gabelförmiger Sperbeerbaum- oder Weidenzweig, war 
angeblich von grossem Nutzen beim Suchen von vergrabenen Schätzen 
und wird noch heutigen Tags von Brunnengräbem beim Suchen 
nach Wasseradern gebraucht; Schwämmchenschüssein, Schnecken, 
aus welchen die Kinder, die an Schwämmchen litten, zu ihrer Ge- 
nesung trinken sollten. 



8. Zimmer: Gegenstände aus Sc/ionen. Gruppe aus {fem 
District Wemmenhög; alte Ge7vebe und Webstuhl; Schwingstöcke 



FÜHRER DURCH DAS NORDISCHE MUSEUM. 



107 



zum Flachsschwingen; Silberschmuckgegenstände ^ darunter ellakors 
(Elfenkreuze). 



9. Zimmer: Vorraihtximm^r. 



Nördlicher Pavillon. 



Drottninggatan 7/ C, 

1. Zimmer (r. vom Eingang): ßegeiiitinde au$ Finnland; 

das Bild eines Kantelespielers, 

Als Proben der ausgedehnten Verwendung der Birkenrinde in 
der Wirthschaft der Finnen sind hier verschiedene Hausgeräihgegen- 
stände^ Stiefel und Schuhe^ Messerscheiden^ ja sogar Leinen^ mehr 
oder weniger kunstreich zusammengeflochten von schmalen Streifen 
aus Birkenrinde, vorhanden. Diese Arbeiten aus Birkenrinde sind 
eine Eigenthümlichkeit der alten Kultur der Finnen und ein sehr 
interessantes Merkmal der ältesten Zeiten. 

Über der Thür: eine kleine schöne Sammlung Kantete älterer 
und jüngerer Form. 

In den Schränken: Trachten^ hauptsächlich aus südöstl. Finn- 
land; Brautkrone aus Papier und Flitter; Schmuckgegenstände; Fischerei- 
geräthschaften, darunter ein Angelhaken aus Holz und Knochen; nod- 
bröd (Nothbrot) und Stoffe dazu wie Fichtenrinde, Rennthiermoos, 
Rumexsamen etc. 



2. Zimmer (1. vom Eingang): Trachten und Baraih schwa- 
discher Ansiedler in Estland und Liwiand; norddeutsche 
Holzschnitz werke. Ein sehr seltener Hünen stab aus Svenskby, 
der alten schwedischen Colonie in Russland. 

3. Zimmer (Durchgangszimmer): eine reiche Sammlung 
dänischer Mangelhölzer mit den kunstvollsten Schnitzereien. 



4. Zimmer: Gegenstände aus Dänemark und Schleswig. 

In den Glasschränken: weibliche Trachten und Schmucksachen; 
Hausgeräth aus Dänemark und Schleswig; Gewebe und Fajancen 
aus Amager, Kopenhagen etc. 

In den beweglichen Glasrahmen: Landschafts- und Kostümbilder 
aus Dänemark, Estland und Deutschland. Die Stubenmodelle stellen 



io8 



FÜHRER DURCH DAS NORDISCHE MUSEUM. 



dänische Bauernhöfe dar. Unter anderen Gegenständen, welche 
einer besonderen Aufmerksamkeit werth sind, befinden sich auch 
einige mit reichen Mustern versehene Wandteppiche aus Schleswig 
und verschiedene alte dänische und norddeutsche Kisten und Stühle 
aus dem 17. und 18. Jahrhundert. 

5. Zimmer: GegenMiände^ Stuheninierieure und Bilder 
aus dem Volksleben in Horrland und Lappland; (emer grön- 
ländische Gegenstände» 

Rechts von der Thür: u. A. ein Schlitten, welchen Karl XII 
auf seinem letzten Feldzug 1718 gegen Norwegen benutzte; hölzerne 
Bierhumpen; Pferdegeschirr, Über und an der Thüröffnung: Schwing- 
messer, schwertförmige Geräthschaften zur Flachsbereitung, welche 
früher an einigen Stellen in Norrland sehr hoch stand ; Runen- und 
Dorf Stäbe etc. Das erste Landschaftsbild rechts: Bauern aus den 
Gemeinden BJuräker und Järfsö; ferner Bauernstube aus der Ge- 
meinde Delsbo mit Figuren in der einst in dieser Gemeinde ge- 
bräuchlichen Tracht. Landschaft und Stube sind beide aus Helsing- 
land. Das letzte Landschaf tsbild ist aus Kvickjock, »dem Paradiese 
Lapplands», mit Lappländern auf ihrer Herbstwanderung von den 
Hochgebirgen nach dem Flachland. Unter der Decke lappländische 
Schlitten verschiedener Form und grönländische Boote* 

In den Glaskasten an den Fenstern: Werkzeuge und Geräth- 
schaften^ Runenstäbe, weibliche Schmuckgegenstände etc. aus Gestrik- 
land und Helsingland. Gegenstände aus Härjedalen: nödbröd 
(Nothbrot), welches zum Theil aus Rinde bereitet wurde; Gegen- 
stände aus Jämtland, Ängermanland, Medelpad, Västerbotten und 
Lappland. Unter den lappländischen Gegenständen: interessante 
Schmucksachen und Stickereien; seitar^ ungewöhnlich geformte Granit- 
steine, welche von den Lappen angebetet wurden ; » Wahrsager-'* oder 
^Zaubertrommelm ; Hörn- und Knochenarbeiten^ wie Löffel^ Messer- 
stiele, Pfeifenreiniger etc. Gegenstände aus Grönland: Lampen aus 
Stein mit einem Stück trockenes Moos als Docht; Holzarbeiten aus 
Treibholz; Modelle und Puppen^ gemacht von den Eskimos. 

6. Zimmer: Grönländische und nordschwedische Ge- 
genstände, Trachten; Kästchen aus Lappland und eine unge- 
wöhnlich reiche Sammlung Knochen- und Steingeräthe aus der 
Vorzeit Grönlands. 



7. Zimmer: Webstühle; Kisten und Kästchen, 



FÜKREK DURCH DAS NORDISCHE MUSEUm. 



Ablhcilung für dU Zünftt. 

Abtheilung für die Zünfte. 

1. — 5. Zimmer: ßegtntiäitde am dem Besitz i/er alten 
Zänfia. 



HO 



FÜHRER DURCH DAS NORDISCHE MUSEUM. 



Zunftladen^ in welchen die Kassen, Protokolle, Documente und 
andere Werthgegenstände aufbewahrt wurden; Stampfen der Siegel, 
mit welchen die Gesellenbriefe und andere durch die zuständigen 
Behörden amtlich ausgefertigte Documente versehen wurden. Weiter 
IVäikommeHy mit welchen den neuen Mitgliedern zugetrunken wurde ; 
diese Becher sind gewöhnlich mit kleinen silbernen, von den 
Meistern oder Gesellen, die zur Zunft zugelassen wurden, geschenkten 
Schilden verziert. Es gehörte zu den Gebräuchen der Zünfte 
aus diesen Bechern zu trinken ohne die Schilde in Unordnung zu 
bringen oder irgend einen derselben fallen zu lassen. Femer Meister- 
Stücke oder Proben der Fertigkeit des neuen Meisters in seinem 
Beruf; Gesellenbriefe und Meisterbriefe; Schaffnerholz; Frocessions- 
f ahnen und -Stangen; Zunftaltare und Zunftztichen^ welche in 
Deutschland zu der Ausstattung der Zunftlocale gehörten; Herbergs- 
Schilde; Becher und Krüge etc. 

^Theatrum-oeconomico-mechanicum^ des Professors And. Berch 
in Uppsala (f 1774), eine interessante Sammlung von Anschauungs- 
gegenständen ; ferner schwedische Schrift- und Dmckproben, Bücher- 
einbände und eine kostbare Sammlung Silberpokale^ Ehrenpreise 
des Nordischen Rudervereins in Zürich. 



6. Zimmer: ¥orrathszimnier. 



Abtheilung für die höheren Stände. 



7. Zimmer (Vorzimmer): Steinornamente, besonders von 
alten Stockholmer Häusern. 



8. — 9. Zimmer: Gegossene und getriebene Arbeiten in 
Bronze^ Messing und Zinn. 



10. Zimmer: Gegenstände aus Schmiedeeisen etc. 

Schwedische Kirchenthüren mit Eisenbeschlägen aus dem 13. — 14. 
Jahrb.; Grabkreuze; Wirtshausschilde; Kistenbeschläge; Schlpsser und 



FÜHRER DURCH DAS NORDISCHE MUSEUM. 



III 



Kunstschmiedewaaren, Im Glasschrank: unter Anderem eine reiche 
Sammlung Feuersiähle, Vorgänger der Zündhölzer. 

11. Zimmer: Fayencen, Po reellen, Sias. Viele rluinische 
Krüge, alle von schwedischen und norwegischen Bauernhöfen herrüh- 
rend. Unter den rheinischen Krügen befindet sich einer aus den 
i59o:er Jahren, mit dem schwedischen Reichswappen und dem 
Wappenzeichen des Geschlechtes Wasa. 

12. Zimmer: Tepferarheiien wie Kaehelplaiien and 
Schüiteln aas Then. Unter den letzteren eine mit der Jahreszahl 
1644 und eine mit Bildern in Relief aus den 1690: er Jahren, beide 
grosse Seltenheiten. Das Portal aus Sandstein stammt von einem 
alten Haus in Stockholm. 

Eine kleine Treppe führt einige Stufen hinunter nach dem 
Hause Drottninggatan Nr 77, dessen Sammlungen hauptsächlich 
Holzgegenstände enthalten. 



13. Zimmer: Mitielalietliehe Möbel and Helzeehniii" 
merke. Hölzernes Taufbecken aus dem 13. Jahrh. mit einer ge- 
schnitzten Darstellung aus der Edda; norwegische Kirchenportale: 
Schränke in gothischem Stil. 

14. Zimmer: Hebel im /tenaissanceeiil wie Schränke, 
Kisten und Bettstellen von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 16. 
Jahrh. Sehr selten sind einige s. g. käsor^ Trinkgefiisse aus 
Holz mit homartigen Griffen; Schneppenschüsseln mit lustigen, 
manchmal gewagten Inschriften; Silberkannen etc. 



15. Zimmer: Hebel im Bareckeiil etc. 



16. Zimmer: Hebel und ßegensfände im Rececesiil. 

Besonders kostbar und vor Allem für Schweden interessant ist das 
hier ausgestellte Aföblement mit Überzug aus Gobelin. Dasselbe, 
angeblich in der ersten Hälfte des 18. Jahrh. für das königl. Schloss 
in Stockholm angefertigt, ist wahrscheinlich sowohl was die Tischler- 
arbeit als die Gewebe betrifft in Stockholm fabricirt. 



112 FÜHRER DURCH DAS NORDISCHE MUSEUM. 



17. Zimmer: Hobel und ßegensiändB im Sti/ Louis X¥l, 

welcher in Schweden Gustavianischer Stil bezeichnet wird. Einer 
der Schreibschränke rührt von der Werkstatt des berühmten Georg 
Haupt in Stockholm her. Der reich vergoldete und skulptirte Tisch 
hatte einst seinen Platz in irgend einem Salon des Herzogs Fried- 
rich Adolf; der andere, näher an der Thür befindliche, w^ar der 
Feldtisch Gustav III. In den Kasten: kleinere Dosen, Etuis, Nipp- 
Sachen u. dgl. mit der für diese Zeit charakteristischen Form 
und Omirung. Eine rothe samnutne Maske in einem der Fenster- 
schränke hat angeblich dem König Gustav III. gehört. Zahlreiche 
Stickereien auf Seide verzieren die Wände. 



18. u. 19. Zimmer: Hobel, ßogenstände u. A. im Stil 
dos Empire. Feuerherd aus Marmor. Plateau, welches einem Mit- 
glied der dänischen Königsfamilie gehört hat. Zwei interessante 
Schreibschränke. 



20. u. 21. Zimmer: Kuchengeräthschafien; ZeitmeS' 
ser; Beleuchiungsmaierialen; ßoräthschaffon zum Messen 
und Wägen sowie eine Sammlung der für Schweden eigenthümlichen 
Münzenplatien, mit den diesen ahgepassten Portemonnaies, »fraxar». 

Nachdem wir diese Zimmer durchwandert haben, kehren wir 
durch die eben beschriebenen Zimmer zurück und kommen dann 
zu den 



22. u. 23. Zimmern: Kirchliche Erinnerungen, 

Unter diesen sind mehrere Prachtstücke ihrer Art, z. B. die 
Altarschränke mit reichen Schnitzereien; eine Kiste mit reichen 
eisernen Beschlägen im Stil des 13. Jahrh., die Legende von 
St. Hubertus darstellend; Räitc herbecken und Stickereien von hohem 
Kunstwerth; Klingelbeutel; Stäbe der Kirchendiener, mit welchen 
diese während des Gottesdienstes die eingeschlafenen Kirchen- 
besucher aufweckten etc. 



FÜHRER DURCH DAS NORDISCHE MUSEUM. 



»13 












••• 



Drottninggatan 77 und jg. 



Zweiter Stock. 



Eingang zu beiden Häusern 
Drottninggatan 79. 




Abtheilung für die höheren Stände, (Fortsetzung.) 



1. Zimmer (Vorzimmer): ¥etkehr9mitteL Tragstühle; Pferde- 
geschirr; Sättel. Unter diesen einer, welcher angeblich der Königin 
Christine gehört hat; Kinderwagen des Königs Karl XV. 



114 FÜHRER DURCH DAS NORDISCHE MUSEUM. 



2. Zimmer: Gewebe und St/ckereien. Kinderkleider und 
Puppen; Spitzen^ unter welchen mehrere durch ihr Alter uiid die 
ungemein kunstfertige Arbeit einen sehr hohen Werth haben. Ferner 
eine Sammlung Schwammbüchsen ; nordische Silberschmuckgegenstände 
und Edelsteine; Miniaturen etc. 

3. Zimmer: Traehien de$ X¥ll. und XVIIL Jahrh, Ein 

Brautkleid; Gustav III:s sog. schwedische Nationaltracht; lederne 
Kurirtracht; zwei Bilder, den Cursor und den Pedell der Universität 
in Uppsala darstellend. In den beweglichen Glasrahmen: Kostüm- 
bilder, An den Wänden: Portraits, ebenfalls wegen der Trachten 
bemerkens werth. 

4. Zimmer: ¥erschiedene kulturhistorische Gegen- 
stände. Adelsdiplome; adelige und bürgerliche Siegel; Ordenszeichen 
sowohl königlicher Ritterorden als privater Gesellschaften; Lotterie- 
Tombola und eine Sammlung Gegenstände des mosaischen Cultus. 

5. Zimmer: Musikalische Instrumente. Eine Orgel aus 
dem 17. Jahrh.; das Piano des berühmten schwedischen Componisten 
Adolph Lindblad; ^Nonnengeige^; schwedische und norwegische 
ländliche Musikinstrumente, 

6. u. 7. Zimmer: Waffen und Uniformen. Portraitßgur 
Karl XIL 

8. Zimmer: Jagdzeug wie es früher zur Wolfsjagd verwendet 
wurde. 

9. Zimmer: Strafinstrumente. Stöcke ; Schandpfähle ; Pran- 
ger-, Ruthen; Ttdie spanische Geige»; Henkerbeile; Blöcke und Fesseln 
sowie verschiedene Instrumente der gerichtlichen Inquisition. Das 
Bild stellt einen lebenslänglichen Gefangenen in dem früher bei 
den schwedischen Strafanstalten gebräuchlichen Anzug dar. Ein 
Oelgemälde^ die Bestrafung einer bösen Frau darstellend, Kultur- 
bild aus dem 16. Jahrh., geschenkt an das Museum von dem 
Künstler^ Grafen W. v. Reichenbach. 

10. Zimmer: Löschgeräthschaften, Gegenstände der 
Zoll- und Postbehörden. 

Von diesem Zimmer kommt man in 



FÜHRER DURCH DAS NORDISCHE MUSEUM. II5 



Die historische Abtheilung. 

11. y 12. u. 13. Zimmer: Erinnerungen und Poriraits 
schwedischer und dänischer Könige und berühmter 
Männer, 

Unter diesen Sachen befindet sich ein I^ock aus Elenshaut, 
welcher dem König Karl XV. gehört hat und von der Haut 
eines von dem König selber geschossenen Elens angefertigt ist; 
ein vergoldeter Lehnstuhl mit Stickereien, zum Theil ausgeführt 
von der Königin Lovisa ; ErinnerungstnedailUn über königliche Per- 
sönlichkeiten etc.; die Ordenstracht des berühmten J. Berzelius 
sowie eine Kupferplatte mit Lennart Torstensons Ahnen und* gräf- 
lichem Wappen; eine Kugelspritze, eine der ersten Modelle des 
Erfinders Palmcrantz; die Modelle zu der bekannten Rechenmaschine 
des G. Scheutz. 

In den beweglichen Glasrahmen in der Mitte des grossen 
Zimmers: Partraits, Briefe, Handschriften und Zeichnungen hervor- 
ragender Dichter, Gelehrter, Künstler, Beamten, etc. Unter den 
Erinnerungen nordischer Künsder sind hervorzuheben: Paletten und 
Pinseln des Malers Egron Lundgren; Meissel etc. der Bildhauer 
Sergel, Thorwaldsen, Molin u. Anderer. 



Die norwegische Abtheilung. 

1. — 4. Zimmer: Theile ¥on Gebäuden und ländliche 
Mo beigegenstände, wie Pfähle von Stabburar; geschnitzte 
Planken und Thürüberstiicke ; Kopf- und Fusswände von Bettstellen; 
Schränke; Stühle von ausgehöhlten Baumstämmen; in diesen sind oft 
Menschenzähne eingehämmert, ein Gebrauch, welcher nach dem 
Bauemaberglauben Zahnweh vom Hause des Besitzers fem hält. 



5. Zimmer: ¥erkehrsgegenstände wie Schlitten verschie- 
dener Form; Pferdegeschirr mit zum Theil kunstvoll geschnitzten 
Verzierungen, von welchen einige eine auffallende Aehnlichkeit mit 
den Ornamentmotiven des jüngeren Eisenalters besitzen ; Quersattel; 
Steigbügel etc. Prachtbettstelle aus Romsdalen; an der Bettstelle hängt 



Il6 FÜHRER DURCH DAS NORDISCHE MUSEUM. 



ein alter Gobelin mit eingewebten Figuren, wahrscheinlich aus 
Norwegen und in diesem' Falle eine schöne Probe der alten 
norwegischen Webekunst. In den Glaskasten an den Fenstern: 
Reitpeitschen; Proben norwegischer Korbmacherarbeiten; Botenstecken^ 
d. h. Holzkasten für amtliche Bekanntmachungen, deren Weiter- 
beförderung den Bauern in der Weise oblag, dass sie nach Kennt- 
nissnahme des Inhalts den Kasten an einer bestimmten Stelle auf 
dem Wege nach der Nachbargemeinde niederlegen mussten, von 
wo ihn die Bewohner der letzteren abzuholen hatten. 



6. Zimmer: Trinkgefäs9e. Bierbullen, »Bierhähne», »Bier- 
gänse» und Kannen mit köstlichen oft stilvollen Schnitzereien und 
Malereien. Viele derselben haben eigenthümliche Inschriften, scherz- 
hafte Devisen, Aufforderungen zur Massigkeit, ja sogar fromme 
Denksprüche und sind sehr alt, indem einige derselben aus dem 
Ende des i6. Jahrh. herrühren. 

Hier befindet sich auch eine högsäte (Hochbank), deren Form 
und Schnitzereien lebhaft an die Throne des fi-üheren Mittelalters 
erinnern, wie man diese in den Siegeln aus jener Zeit sieht. An 
der Vorderseite der Bank befindet sich eine kleine viereckige 
Oeffnung, vermuthlich bestimmt zum Nachtlager für die Hühner 
und Gänse. 



7. Zimmer: Fortsetzung der Sammlung von Trink- 
gefässen. Kleinere Hausgeräthe wie Löffel^ Breibütten^ 
Schusseln etc., Alles reich und kunstvoll verziert mit Schnitzereien. 

Die Bilder stellen dar: Mädchen aus Telemarken^ Gruppe 
(Mann und Frau) aus Numedal, Gruppe aus Hiter dal und eine 
Lappländerin mit ihrem Kind. 

In den beweglichen Glasrahmen : norwegische Kostümbilder etc. 

Höchst bemerkenswerth ist die in diesem Zimmer verwahrte 
Sammlung alter Mangelbretter, ein wahrer Schatz durch ihren 
Reichthum an stilvollen Ornamentmotiven für Holzschnitzereien. 

8. Zimmer: Schmuckgegenstände und Waffen, reiche 
Stickereien auf Leinen und Wolle; ferner Gefässe aus Glas und 
Steingut. Auf dem Fussboden sind alte Waffen^ wie Schwerter, 
Hellebarden, Speere und Streitäxte gruppirt. — In einem Glas- 
kasten eine besonders reichhaltige Sammlung Pulverhomer ^ unter 
welchen sich mehrere durch ihre eigenthümliche Ausstattung und 
ihr hohes Alter auszeichnen. 



FÜHRHIR DURCH DAS NORDISCHE MUSEUM. II7 



9. Zimmer: Musika/isehe Instrumente und versah /B' 
dene Sachen aus dem norwegischen Bauernleben. 

Hier befindet sich vor Allem eine Sammlung langeUjkar (lange 
einfache Geigen) und andere musikalische Instrumente, unter wel- 
chen eine uralte Harfe^ offenbar ein Abkömmling der ähnlichen 
Instrumente des Mittelalters, besonders hervorgehoben werden muss. 
Die hier ausgestellten Primstabe unterscheiden sich durch ihre 
Form und ganze Einrichtung von ihren schwedischen Verwandten, 
den Runenstäben. 

In den Glaskasten befinden sich: Schnupf tabaksbehältery ähn- 
lich den alten Pulverhömem; Tabaksdosen etc. 

Unter den übrigen Gegenständen sind hervorzuheben: Kamm- 
und Bürstenfutteral mit folgender Aufschrift: vHer Bor den som 
Lusen togter» (Hier wohnt der Zuchtmeister der Läuse) ; Wanzen- 
bretter u. A. besonders für das menschliche Wohlbefinden bestimmte 
Gegenstände. 

10. Zimmer: Gegenstände aus Island. 

Am meisten auffallend sind die vielen sog. Bettbretter^ verziert 
mit Schnitzereien und langen Inschriften in einem eigenthümlichen 
Alphabet, »höfdaletur». Dieselben wurden innerhalb der erhöhten 
Ecken der Bettstellen angebracht und bildeten so den oberen 
Theil der nach dem Zimmer hin gerichteten Längsseite der Bett- 
stelle. Unter den Hausgeräthsgegenständen merken wir: Mangel- 
bretter; Schachteln und Schreine; Sattel etc. 

In den Glaskasten: Schmuck- und andere zu den isländischen 
Trachten gehörende Gegenstände; ferner kleinere Hausgeräthe^ 
Metallarbeiten etc. 

11. Zimmer: Wirthschaftliche Geräthe aus Herwegen, 

wie Sensen und Sicheln; ferner Käse- und Butterformen; Modelle für 
Fischereigeräthschaften; Webstuhl und andere Geräthe des Haus- 
fieisses. 



12. Zimmer: Verschiedene grössere Möbel aus Mar' 
wegen, Kisten, Schränke und Schreine mit Schnitzereien im haut 
relief, welche Bilder aus der heiligen Geschichte darstellen. 



ii8 



FÜHRER DURCH DAS NORDISCHE MUSEUM. 



ArfAiv. Bibliothek. 



7g Drottninggatan, 




Abtheilung für den Bauernstand, 

Abtheilung für den Bauernstand- 

Fortsetzung. 

1. — 4. Zimmer: Gegenstände und Gruppe aus Dar/e- 
iar/ien. 

1. Zimmer (Vorzimmer): an den Wänden s. g. bykUzddar 
{Dorfstecken)^ karfstockar {ßchneidestecketi) und rotkaflar {Bezirks- 
stecken)^ eine Art Contobücher ursprünglichster Form. Dieselben 
bestehen im Allgemeinen aus glattgehobelten Stöcken oder Brettern. 
Die Flächen sind in Felder eingetheilt; diese sind mit je einem 
Zeichen, »Hauszeichen», der Dorfsbewohner versehen. Hier wurden 
durch Einschnitte oder Zahlen sämmtliche jfiir das gemeinsame 
Wohl des Dorfes gemachte Tagewerke u. dgl. verzeichnet; ein 
sägsticka {Sägestecken) aus Ickesägen in Mora ist z. B. eine Art 
Rechnungsbuch mit denjenigen, welche im Jahre 1865 ihre Bretter bei 
diesem Sägewerk sägen Hessen. Die Zahlen unter den Hauszeichen 
geben die Zahl der ganzen Dutzende, die Einschnitte darunter die 
Zahl der einzelnen Bretter über die Dutzende an. Ein anderer s. g. 
skullstör aus Mora ist eine Art Abrechnung über die gemeinsamen 
Arbeiten im Jahre 17 51; ein rotbräde {Bezirksbrett) aus Lima giebt 
die Bauern und ihre Zahlungsverpflichtungen an. Dies Rechnungs- 
verfahren ist im Norden uralt und hat sich in Dalekarlien bis zu 
unserer Zeit beibehalten. Das Museum ist im Besitz mehrerer der- 
artiger »kladdar» und »stockar» aus den i86o:er und yoier Jahren. 
In den Glasschränken: kleinere bykladdar und rotkaflar; eine 
interessante Sammlung Botenstecken und -»Doffkeulem^; Hirten- 



FÜHRER DURCH DAS NORDISCHE MUSEUM. 



119 



höTfur; Homer aus Birkenrinde und Sackpfnfen, Unter den »Keulen» 
befinden sich u. A. eine -^ZugenkeuU^ mit folgender Inschrift: »i dag 
skal dv gäta getum mas» (heute sollst du die Ziegen hüten, 
Kerl), welche demjenigen zugesandt wurde, der das Viehhüten 
des Dorfes zu besorgen hatte; eine TtSchneepflugkeule^ mit der In- 
schrift: »ut den, som vederbör» (heraus, wer soll) wurde dem- 
jenigen zugesandt, der das Schneepflügen zu besorgen hatte; eine 
yGebetkeuIe^ mit der Inschrift: »Dv skal holla bön och skolan 
om söndag» (Sonntag sollst du Gebet und Schule halten) gab an, 
dass der Empfanger die Sonntagsschule zu halten hatte. Hier muss 
bemerkt werden, dass die Inschriften dieser Sachen sehr häufig in 
Runen ausgeführt, obwohl die Gegenstände manchmal im vorigen 
oder jetzigen Jahrhundert angefertigt worden sind. 

2« Zimmer: Stube aus Räthvik mit Gruppe TtDas letzte Ruhe- 
bett des kleinen Mädchens'^ nach dem berühmten Gemälde von Amalia 
Lindegren; femer Runenkalender ^ unter denselben mindestens einer 
vom 16. Jahrhundert und nicht wenige vom Anfang des nächsten 
Jahrhunderts. An den Wänden und unter der Decke: Hängestangen 
mit sehr alterthümlichen Schnitzereien. Angebracht unter der Decke 
der Stuben wurden dieselben zum Aufhängen der Kleider verwendet. 
An dem Fenster: Kunkeln und andere Spinngeräthe. Ferner Schnee- 
bogen oder »Schneetritte», Gitter aus Holzstreifen oder Weiden, 
welche bei tiefem Schnee unter die Füsse der Menschen und Pferde 
gebunden werden. 

3. Zimmer: Bauemgruppen aus Mora und Orsa; Körbe aus 
Birkenrinde^ in welchen Kinder zur Taufe getragen werden. Bauem- 
gemälde zum Theil religiösen Inhalts, zum Theil Bilder aus dem 
Leben der Dalekarlier darstellend; Brautschmucksachen; durch 
längere Inschriften bemerkenswerthe ^Dorfkeulemi; kleinere Haus- 
geräthe^ Schmiedewaaren und Waffen, 

4, Zimmer: dalekarüsche Trachten und Gewebe^ welche durch 
ihren Reichthum an Mustern und kräftig wirkenden Farbenzusammen- 
stellungen einer besonderen Aufmerksamkeit werth sind. Vor Allem 
interessant ist auch die Sammlung Trink- und Gastmahlgefässe ; 
unter anderen Sehenswürdigkeiten befinden sich: Pferdegebisse aus 
Hom und Holz ; Holzlöffel mit mehreren Schalen, neben oder unter 
einander, oder mit Schäften, welche es unmöglich machen den 
Löffel in der gewöhnlichen Weise zu benutzen; eine reiche Samm- 
lung Geräthschaften zum Wägen und Messen etc. 






I20 



FÜHRER DURCH DAS NORDISHE MUSEUM. 



5. Zimmer: Gegenstände aus Uppland. 

An der Längswand und in einem der Glaskasten am Fenster: 
rockblad und väßunor, Geräthschaften zum Spinnen und Weben, 
ausgezeichnet durch ihre reichen Farben und Schnitzereien. Auf- 
fallend ist die Verwandtschaft der Muster der uppländischen Schnit- 
zereien mit der Ornirung des jüngeren Eisenalters, wie wir dieselbe 
durch Funde und Runensteine kennen; Runenstäbe einer ganz an- 
deren Form als bei den in der Abtheilung für Gegenstände aus 
Dalekarlien befindlichen; isläggar^ eine Art sehr primitive Schlitt- 
schuhe aus gespalteten Thierknochen; nyckelharpor^ jetzt sehr seltene 
Musikinstrumente. Am Fenster: ein julbock von Stroh, ein Weih- 
nachtsscherz (Rest des altheidnischen Weihnachtsfestes zur Winter- 
sonnenwende), wie sich ähnliches in einzelnen Gegenden Nord- 
deutschlands und Englands erhalten hat. In den Glasrahmen: 
Ansichten und Kostümbilder. 

6. Zimmer: Gegenstände aus Westmanland. 

7. Zimmer: Gegenstände ausSödermanland und Märke, 

Zwei Mädchenfiguren aus Österäker. Im Glasschrank an der 
Längswand; ein Ochsenhom mit Runeninschriften; Brautgratulationen 
mit Stock und Kriicke. Beim ersten Aufgebot in der Kirche fiel 
— behauptete man — die Braut von der Kanzel herab und brach 
sich die Beine, und daher kam der Gebrauch, der künftigen Frau 
ausser einer schön geschriebenen und bunt bemalten Gratulation 
auch einen kleinen Stock und eine Krücke auf einem Kissen zu 
präsentiren. In den beweglichen Glasrahmen : Kostümbilder etc. 
aus Södermanland. 

8. Zimmer: Gegenstände aus Wärm/and. 

Schuhe, Schmucksachen und Hausgeräth aus Birkenrinde, z. Th. 
von finnischen Ansiedlern, welche im 17. Jahrhundert nach Schweden 
verzogen; Trachten aus verschiedenen Kirchspielen. 



9., 10. und 11. Arbeitszimmer. 



12. und 13. Zimmer: A/6//of Aait und >frcA/V. Letzteres mit 
einer recht reichen Sammlung Briefe und Authographen (siehe: An- 
weisungen für Besucher Seite 100). 



FÜHRER DURCH DAS NORDISCHE MUSEUM. 



121 



Drottninggatan 68. 

Abtheilung für das Seewesen. 

1. Zimmer: Kähne, ausgehöhlt aus einem einzigen Baum- 
stamm und von unbestimmten Alter. Einer derselben, aus dem 
See Äsnen in Smäland, war noch im Gebrauch, als er den Samm- 
lungen des Museums einverleibt wurde. Unter der Decke hängen 
einige s. g. Votivschiffe^ welche ehemals viele der Kirchen an den 
schwedischen und norwegischen Küsten schmückten. Sie waren 
vermuthlich Geschenke von Seeleuten. Gallionbilder; Signal- und 
Schiff slatemen; Kugelbehälter; Enterbeile und Haueir; femer ein 
Wagen zum Transport glühender Kugeln. In den Glaskasten : unter 
Anderem Verordnungen und Drucksachen^ betreffend die schwedische 
Marine und Ttdas Besteck der Kriegsflotte Seiner Königlichen Majestät^ 
vom Jahre 1689. 



Die pharmaceutische Abiheilung. 

2. Zimmer: Apoihekergefässe aus Schweden: Die Ein- 
richtung des Zimmers stellt eine Apotheke vom Ende des vorigen 
Jahrh. dar. Die Receptur gehörte früher der alten Apotheke zu 
Drottningholm und die Gefässe sind zum grössten Theil von den 
schwedischen Apotheken geschenkt; einige der Schilde gehörten 
einst den Apotheken in Stockholm. Das Schildpatt hing früher 
unter der Decke der Apotheke »Korpen» zu Stockholm. Hier werden 
auch die Reiseapothek der Prinzessin Sophie Albertine vom Jahre 
1797 und verschiedene sehr alte Erzmörser aufbewahrt. 

3. Zimmer: Apothekergefäase aus Korwegen, Däne- 
mark, Finnland und Deutsch/and, In den Glaskasten: kleinere 
Gerähtschaften, wie z. B. Ullenformen^ Schnäpper, Gewichte^ Stem- 
pel etc. 

4. Zimmer: Laboratoriige fasse, Retorten, Helme, 
Destillirapparate etc. 



5. Zimmer: Apothekergefässe verschiedener Typen. In 
der Mitte des Zimmers: Giftschrank aus Skanderborg in Dänemark, 

15 



FUHRER DURCH DAS NORDISCHE MUSEUM. 



an dessen ThUr ein Todtcnkopf aufgehängt ist, welcher das Bild des 
berühmten Karl von Linnä bedeckt. Um den Kopf befindet sich 
folgende gereimte Inschrift: iMange döden fandt ved Gift, 
det bör du stadigt mindes, Linnö är skjult hans blide 
Trjek ej skues, se nu pä dödens Contrefej och derved 
icke bluess (Durch Gift fand mancher seinen Tod, das musst du 
stets behalten; Linn6 ist hier — jedoch die milden Züge sich ver- 
stecken — das Bild des Todes sieh' mal an, doch ohne zu er- 
schrecken). 

In den Glaskasten: ältere Drucksachen betr. die Heilkunde 
und die Pharrnacie; Kompositionsbücher; Bestallungen etc.; femer 
eine ganze Sammlung Apothekergefässei Gewichte etc., welche dem 
berühmten Chemiker und Apotheker Schöele angehört haben. 



Neu hinzugekommene Gegenstände. 

6. — 7, Zimmer: Gegenstände welche in der letzten Zeit 
hinzugekommen sind, und für deren Ausstellung bis auf Weiteres 
ein geeigneter Platz in der Hauptabtheilung fehft. 



INHALT. 

Seite. 

Ferdinand Krauaa. 1887. Oesterreich 3. 

Johanne Mestorf. 1874. Deutschland 63. 

Felix Liebrecht und Rejnhold Mejborg. 1887. Belgien und 

Dänemark 69. 

W. Quarles van Ufford. 1876. Holland 83. 

Zachris Topelius. 1885. Finnland 91. 



Beilage: 

Führer durch die Sammlungen. 

Anweisungen für Besucher des Nordischen Museums 99. 

Abtheilung für den Bauernstand 103. 

Abtheilung für die Zünfte 109. 

Abtheilung für die höheren Stände iio. 

Die historische Abtheilung 115. 

Die norwegische Abtheilung » 

Abtheilung für den Bauernstand. Fortsetzung 118. 

Abtheilung für das Seewesen 121. 

Die pharmaceutische Abtheilung > 

Neu hinzugekommene Gegenstände 122. 



BUCH ER, 

welche das Nordische Museum betreffen oder von demselben 

herausgegeben worden sind. 

Le mns^e d'ethnographie scandinave ä Stockholm, fond^ et diriq€ par 
le Dr Arthur Hazelins. Notice historique et descriptive par J.-H. Kra- 
mer. Deuxiime Edition. 64 p. Stockholm 1879. Prix: i kr. 50 öre. 

Minnen frin Nordiska mnseet. Afbildningar af föremäl i museet jämte 
ätföljande text, under medverkan af flere konstnärer och författare utgifna 
af A. Hazelius. Stockholm 1879—85. Första bandet. H. i— 12. Med 
36 planscher i färgtryck och 14 träsnitt. P. B. Eklunds förlag. Pris: 2 
kr. för hvarje hafte. — Andra bandet. H. i, 2. Stockholm 1888. 

Programm zu einem beabsichtigten Gebünde für das Nordische Mnsenm 
in Stockholm. Mit zwei Karten. Zweite Auflage. Stockholm 1883. 

Finland i Nordiska mnseet. N&gra bidrag tili kännedomen om finnarnes 
gamla odling. Af G. Retzius. Med 95 träsnitt samt en karta öfver Fin- 
land. IV. 176 sid. Stockholm 1881. F. & G. Beijers förlag. Pris: 3 kr. 
Bildet Abtheilung I der Bidrag tili vär odlings häfder (Beiträge zur 
Geschichte der nordischen Kultur), herausgegeben von A. Hazelius. 

Von demselben Werke ist eine deutsche Übersetzung erschienen: 
Finnland im Nordischen Mnsenm von Gustaf Retzius. Autorizirte Über- 
setzung von C. Appel. Mit 93 Illustrationen und i Karte von Finnland. 
VIII. 158 Seit. Berlin I885. Preis: 4 Kr. 

Ur de nordiska folkens lif. Skildringar, utgifna af A. Hazelius. H. i, 2. 
Med 61 träsnitt. Stockholm 1882. F. & G. Beijers förlag. Pris: I kr. 
50 öre för hvarje hafte. 

Bildet den Anfang der Abtheilung II der Bidrag tili vär odlings häfder, 

Lifvet i Kinds härad i Västergötland i början af sjuttonde irhnndradet. 

Anteckningar ur häradets domböcker. Af G. DjURKLOU. IV. 90 sid. 
Stockholm 1885. F. & G. Beijers förlag. Pris: 1 kr. 50 öre. 
Bildet Abtheilung IV der Bidrag tili vär odlings häfder. 

Samfnndet fÖr Nordiska mnseets främjande. Meddelanden, utgifna af A. 
Hazelius. Stockholm 1881 — 86. 

Saga. Minnesblad frän Nordiska museet 1885. Under redaktion af Ann 
Charlotte Edgren, A. Hazelius, N. Linder och B. Meyer (för texten) 
samt V. Andren och C. G. Hellqvist (för illuslrationerna). Med talrika 
vignetter, teckningar och planscher. 2 uppl. IV. 48 sid. Stockholm 1885. 
Pris: 2 kr. 50 öre. 

Rnna. Minnesblad frän Nordiska museet 1888. Utgifvet af A. Hazelius. 
Illustrationerna under öfvervakande och ledning af V. Andren. Med tvä 
kromotypier samt talrika vignetter och teckningar. IV. 69 sid. Stock- 
holm 1888. Pris: 4 kr. 

Afbildningar af föremil i Nordiska museet äfvensom af nordiska ansikts- 
typer, klädedräkter och byggnader, af hvilka teckningar förvaras i Nordiska 
museets arkiv. Utgifna af A. Hazelius. B. I. H. i. Smälaud. 12 plan- 
scher med 53 träsnitt. Stockholm 1888. Pris: i kr. 50 öre. 




Preis: 2 Kr,